Weißt du, manchmal sitze ich da mit meinem kleinen Bürgerinnenverstand und stelle mir vor, dass es einen noch gänzlich anderen Blick auf die Welt geben könnte, nämlich den, dass viele Politiker gar nicht nur aus Gier und Machtbesessenheit Dummzeug in ihrem Amt Beschließen und tun, sondern dass dieses Dummzeug nur die Wahl zwischen einem kleinen und noch viel größerem Mist war, dass die Welt noch schrecklicher als der jetzige Schrecken wäre, wenn es nicht den zwar löchrigen aber immerhin Puffer der Politikerkaste zwischen reiner Kapitalmacht und den übrigen Menschen gäbe.
„Doch Monster gibt  es in Wahrheit nicht mal nachts im Wandschrank. Auch ein islamistischer Terrorist mit Sprengstoffgürtel und Kalaschnikow hört niemals auf, ein Mensch zu sein. Sich der Wut und Angst vor ihm nicht hinzugeben, ihn nicht zum Monster zu machen und auszulöschen, sondern ihn als Mensch zu begreifen, das Menschliche in ihm zu lieben, ohne ihn von Verantwortung freizusprechen, ihn zu bestrafen, aber ihn nie und unter keinen Umständen aufzugeben, das ist unsere wirksamste Waffe im Kampf gegen die Monster, die es nicht gibt.“ CHRISTIANE FLORIN, (Zeit, vom 16.01.2015)

Die traut sich was. Gut. 
Was mir seit Tagen durch den Kopf geht: „Lügenpresse“ kann man unsere Medien doch nur dann nennen, wenn man erwartet in derselben die einzig eine Wahrheit (am besten die eigene unreflektierte, absolute) vorgekaut zu bekommen. In meiner Welt gibt es aber nicht die eine und einzige „Wahrheit“, sondern nur ganz viele unterschiedliche Sichtweisen auf Welt. Und ich bin bei der täglichen Presse-/Medienschau immer noch der Meinung, dass, mit klaren Kopf und ohne Erwartungshaltung, die Vielfalt der Anschauungen und Positionen, die Vielschichtigkeit von Eigeninteressen und Lobbytum, und das Angebot an unterschiedlichen Wahrheiten recht groß ist. Das macht es nicht einfach, beflügelt aber den eigenen Verstand und die kritische Auseinandersetzung mit den Texten. Nimmt man die neuen Medien hinzu, so ist die Bandbreite dessen, was jeweils als Wahrheit angeboten wird doch immens und schön widersprüchlich. Das find ich gut und darauf möchte ich nicht verzichten müssen zugunsten einer einzigen mir vorgekotzten/vorgeschriebenen „wirklichen Wahrheit“. Das macht natürlich alles Mühe und setzt Flexibilität im eigenen Denken und nicht aufhörendes Lernen, Neugierde, Eigeninitiative bei der Informationsbeschaffung und kritische Infragestellung des Angebotenen voraus. Ich glaube, dass denjenigen, die das Wort „Lügenpresse“ so laut und schnell über die Lippen geht, damit schlichtweg überfordert sind. Und, ich möchte nicht die Presse haben, die die gerne hätten. Dagegen würde ich mich mit aller Macht wehren. Denn, wenn ich mir deren Weltbild anschaue, dann stinkt es da extrem nach Einheitsbrei und eben einem absoluten Wahrheitsanspruch. Summa summarum: So wie es ist, könnte es besser (vielfältiger) sein, aber es ist nicht das Schlechteste unter allem Möglichen.
Jetzt geht mir die Zuordnung "naiv" (weil ich doch tatsächlich annahm, die Staatsmänner und Frauen hätten unbedarft mit allen zusammen in Paris demonstriert) nicht aus dem Kopp. Ich denke gerade, naiv ist das falsche Adjektiv. "Kindlich" trifft es besser. Jedes Mal aufs Neue überrascht werden, jedes Mal aufs Neue von Gefühlen überrollt zu werden. Jedes Mal aufs Neue, entgegen aller Erfahrungswerte, wie beim ersten Mal mit großen Augen staunen, dass die Welt so ganz anders ist, als ich angenommen hatte. ... ... Und ja, ich heule immer noch bei "Heidi", beim "Doppelten Lottchen" und bei jedem Bericht aus Kriegsgebieten oder aus Folterzentren oder, wenn ich sehe, wie Paare sich über Jahrzehnte zerfleischen oder der einzelne Mensch mit aller Kraft gegen die Mühen des (Über)Lebens ankämpft oder versucht, gegen alle Widrigkeiten seine innere Balance zu finden ... und, und, und. Da klärt sich nix ab irgendwie, da wird nix kalt und abwinkend. Da fehlt mir wohl das richtige Gen dazu. ... Ich bin kindlich. ...Und irgendwie will ich das auch nicht ändern.
Denn, da ist ja auch die andere Seite: Das Kichern und Glucksen und Lachen über Dinge, für die sich andere nicht mal ein beiläufiges Mundverziehen abringen könnten. und da ist die Liebe zu den Menschen und zu mir ... und da ist immer noch Schönheit in allem Hässlichen und, und, und … Und ich denke, das eine gibt es eben nicht ohne das andere...


Ein Vorzug des Altwerdens ist es, dass ich dem Kindlichen in mir auch im Äußeren viel mehr Raum geben kann. Regt sich keiner mehr drüber auf, weil es ja so toll in die eigenen und gesellschaftlichen Vorurteilsschubladen passt. Die "Weise Alte" wird wieder zum Kind und erscheint gerade deshalb weise. Der Kreis schließt sich und Alt und Jung tanzen Hopsasa in der Seele.

In Kommentaren häufen sich Schimpfwörter, vulgäre Ausdrücke und Ausrufe wie Kopf ab! Schwanz ab! Hängt sie/ihn auf! etc.. Ich empfinde dies als Gewalt.
Derartige verbale Gewaltausbrüche sind meistens ein Zeichen für Hilflosigkeiten, für fehlende Argumente, für innere Not, für Abwehrhaltungen und geschredderte Affektregulation.
Kommunikation wird in diesen Fällen ein schwieriges Unterfangen. Denn es geht dabei ja gar nicht mehr um das äußere Thema, sondern um die inneren Zustände des Gegenübers, welches sich vehement gegen eine Selbstreflexion wehrt.  Schwierig, schwierig, schwierig.
Was hilft: Klarheit und Unaufgeregtheit in der eigenen Argumentation zum Thema und, wenn möglich, auf der anderen Ebene ein ebenso unaufgeregtes Benennen der wahrgenommenen Regulationsstörungen mit gleichzeitiger Grenzsetzung in Bezug auf das gerade stattfindende Gespräch.
Jesses, wer kann das schon immer? Manchmal muss man im Alltag dann einfach feststellen: In diesem Ton und auf diesem Argumentationsniveau kann und will ich mit dir kein Gespräch führen.

Ach, ein schwierig Ding.

Weihnachtszeit – besinnliche Zeit… so schön, so kuschelig, so heimelig warm… … … Ach ja?... Ne, oder? … Und doch… Oder doch nicht... Da war doch was.... War da wirklich was?

Sogar die coolsten Köpfe werden genau um diese Zeit herum hippelig, melancholisch oder verheddern sich emotional in Widersprüche von „Das lässt mich alles kalt“ bis zu „Scheiße, war das schön damals als Kind“. Achterbahnfahrt im Affentempo zwischen seufz und snief und bäh!

Das Spannendste und Schönste war, wenn überhaupt, die Vorweihnachtszeit. Die Erwartungen, die Vorfreude, die imaginierten Vorabbilder von Seligkeiten unterm Weihnachtsbaum. Weiße Winterleinwand für alle bisher unerfüllten Träume und Wünsche.

Schön wärmend wurden so mit den Jahren dann auch die in die kalte Zeit rückwirkend hinein projizierten hellen Lichter, strahlenden Augen und all die so sehr ersehnte Wärme und begehrten Herzlichkeiten.

Geblieben ist diese, gemein und heimtückisch, ganz unterschwellige Sehnsucht, dieses Gefühl von: So könnte es sein, so hätte es sein können, so soll es wieder sein.

Nöh, so war es aber nicht, so konnte es niemals sein, so wird es niemals sein.

Aber!, etwas anderes könnte sehr wohl sein: Menschen treffen, gemeinsam essen, plaudern, zuhören, sich einfach mal wohlig willkommen aufgehoben fühlen ohne eigene und fremde Ansprüche an irgendwas Besonderes. Einfach nur da und miteinander sein. Eine Möglichkeit. Nicht mehr und nicht weniger.
In diesem Sinne: Sei gnädig. Hab dich und andere lieb.