Was ich nicht verstehe -> Eines der häufigsten Argumente aus der rechten Ecke bis in die Mitte hinein ist ja seit einiger Zeit:

"Wir werden seit Jahrzehnten von einer linksversifften Regierung (plus Anhang in allen gesellschaftlichen Bereichen) regiert und leben in einer gegenderten Gesellschaft, die vom Feminismus unterwandert wurde!"

Nun, ich lebe ja auch seit Geburt in diesem Land, doch frage ich mich, in welchem Land haben die denn all die Jahrzehnte gelebt? Habe ich was verpasst?

Bleibe ich bei der Schubladerei, dann zähle ich mich seit jeher in die weit gefasste linke Ecke und neige zum feministischen Blick auf die Welt. Bisher bin ich noch nie! auch nur ansatzweise auf die Idee gekommen, ich hätte es im Laufe meines Lebens (also seit 1956!) jemals mit linksgerichteten Regierungen in Bund und Ländern zu tun gehabt. Ganz im Gegenteil! Und von einer real gleichberechtigten Gesellschaft sind wir auch noch meilenweit entfernt.

Also, über wen oder was reden die da dann?

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*Anmerkung

Zum Begriff "links" -> Ich bin da sehr altmodisch und denke, dass, bei aller Streitereien um die Auslegungen und Feinheiten, es drei Dinge sind, die eine "linke" Gesellschaftsform ausmachen:

1. Das Eigentum an Produktionsmitteln jedweder Art existiert nicht.
2. Es gibt keine Kapitalwirtschaft mit allen dazu gehörigen Rattenschwänzen (Zinseszins, etc.).
3. Die Ausbeutung der Arbeitskraft Mensch durch den Menschen findet nicht statt.

Wo bitte haben wir uns dem auch nur aus der Ferne angenähert? *andenkoppklatsch
Aufhänger: "Ich hoffe, dass die Aufmerksamkeit sich noch ausweitet: auf die organisierte kriminelle Gewalt gegen Kinder wie Kinderpornografie, -prostitution und rituelle Gewalt." 
Martin Sack, Vorsitzender der deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT)


Frau Müller: „Ja, das wäre gut. Noch besser wäre es, wenn es endlich in die Köpfe rein zu bekommen wäre, dass die Täter in den meisten Fällen Väter, Freunde, Vertrauenspersonen sind. Es ist eben nicht der "böse fremde Mann" - nein, es sind der liebe Nachbar, der liebe Onkel, der freundliche Lehrer, der Trainer, der nette Herr Pfarrer, Papa und Mama, die zuschlagen, missbrauchen, vernachlässigen.“

Diskussionsteilnehmer: „Frauen sind auch Täterinnen!“

Frau Müller: „In meiner Wahrnehmung, und das kann ja nur immer eine subjektive sein, ist sexualisierte Gewalt überwiegend eine männliche Gewalt. Sowohl eigene Erfahrungen damit, als auch durch meine Arbeit in all den Jahrzehnten mit Opfern und TäterInnen kann ich zu keinem anderen Schluss kommen. Ich empfinde den permanenten Hinweis, dass auch Frauen Täterinnen sind, was ich in keiner Weise bestreite, als eine Relativierung der dominierenden männlichen Gewalt, die nur eines schafft: Eine Tür, aus der sich Männer vor der Verantwortungsübernahme wieder raus schleichen können. Solange männliche Gewalt gegenüber Kindern weltweit nicht von Männern und Frauen gemeinsam ohne Wenn und Aber geächtet, diskreditiert, laut mit Namen benannt und bekämpft und in jedem einzelnen Fall strafrechtlich verfolgt wird, solange wird sich an dieser, meiner persönlichen Haltung, nichts ändern.“
Mitgefühl und Solidarität haben ganz viele Gesichter und ich fand sie auch in diesem Jahr wieder an völlig unvermuteten Orten.
Liebe schert sich nicht um Alter und Geschlecht, um Herkunft und Neigung. Sie ist einfach. Wenn das doch nur endlich in Kopf und Bauch der Leute rein ging. Nein, es ist immer noch keine Selbstverständlichkeit, auch wenn ich das manchmal so in meiner einen kleinen Welt vergesse. Ja, es ist viel passiert bis heute. So viel erreicht. Und doch, alles noch so fragil. Und schau ich mich um in der Welt, dann werde ich so traurig und zornig zugleich. Immer noch und immer wieder werden Menschen verachtet, diskriminiert, ausgestoßen, verfolgt, geschlagen, getötet, weil sie den Falschen oder die Verbotene lieben. Keine Zeiten um sich auf dem Erreichten auszuruhen. Ganz im Gegenteil.   
"Ein Land, ein Ort, in dem ich zusehen und erleben musste, wie meine Kinder zerfetzt, meine Frau nieder gemetzelt, meine Eltern erschlagen, meine Nachbarn zu Tode geprügelt und unsere Häuser zerbombt und dem Erdboden gleichgemacht wurden, wo jeder, jeden verraten und verkauft hat, nur um das Leben seiner Kinder zu retten, ist das noch mein Land, mein Ort? Meine Heimat?"

"Darauf kann ich dir keine Antwort geben, denn ich weiß es nicht."
Jetzt kommen sie wieder aus ihren Löchern gekrochen, die großzügigen Spender, die traurige Kinderaugen Teilenden. Die, die doch auch dabei nur immer sich selbst im Blick haben, zücken die Portokasse, Almosen selbstherrlich lächelnd verteilend. Die, die ihr Mitgefühl das ganze Jahr in der Tiefkühltruhe ihrer Herzen lagern, puhlen es nun mühsam verkrampft in jedwedes Kameralicht. Die, die nun Selfies mit Obdachlosen posten, denen sie ansonsten angewidert die schimmeligen Krümel ihrer verlogenen Heimeligkeit für die Füße werfen. Wenn überhaupt. Die, die das ganze Jahr kreischen nach sauberer Heimat und patriotisch entflammtem Widerstand gegen Teilhabe und Barmherzigkeit, basteln nun rührselig trunken an bunten Krippenspielen herum. Die, die jammernd und johlend durch das Jahr wilderten, weil sie sich selbst nicht aushalten können, vergehen nun vor mediengerechter Selbstherrlichkeit in aufgesetztem Mitleid und drücken sich verlogene Tränchen ab, ob all der ihnen doch so fremd bleibenden Schrecken in der Welt.

Die, die widern mich an. 
„Unabhängig davon, dass so ein alter Baum gefällt wird, gehen die Kosten für so einen städtischen und/oder kommunalen Weihnachtsbaum in die Abertausende.“

„Völlig Idiotisch. Dafür könnte man auch Schlafsäcke, Winterjacken, Heizöl, oder sonst was Sinniges kaufen.“

„Ja, aber die Tradition!“

„Man muss ja nicht jeden Scheiß immer wieder wiederholen, bloß weil die Altvorderen es nicht blickten.“

*Anmerkung
Ja, es regt mich immer noch auf.