Bundesregierung warnt vor Altersarmut besonders für Geringverdiener und rät zur Privatvorsorge. Also los, ihr Geringverdiener, schnappt euch die nächsten Aktienbündel, kauft Wohnungen, Häuser, Wertpapiere und all das Zeugs! Ansonsten seid ihr selber schuld, wenn es euch finanziell mies geht im Alter! *andenkoppklatsch

*Anmerkung
Die meinen das wirklich ernst. Was nehmen die für ein Zeugs so im Laufe des Tages?

**Anmerkung
Das ist übrigen genauso ein sinnfreies Geplapper wie die 5000 Euro Strafe für einen Hartz IV Empfänger wegen irgendwelcher Falschangaben: Wenn ich so viel Geld habe um diese Strafe bezahlen zu können, dann geh ich auch bestimmt aufs Amt und setz mich all diesen Erniedrigungen aus. Ist klar, oder? 
"Weil das Leben so ist, wie es ist. Ich schöpfe daraus Kraft, Mut, Hoffnung."

"Kleinen esoterischen Anfall, Frau Müller?"

"Nöh. Im Gegenteil. Je älter ich werde, umso mehr stelle ich fest, dass das Gerede von der schrecklich verkomplizierten Welt genau das ist: Gerede. Es soll ablenken von den Dingen, die wir alle eigentlich schon seit hundert und aberhundert Jahren wissen: Wir wissen doch, was gut und böse ist; wir wissen, was uns als Mensch gut tut; wir wissen, was wir brauchen um glücklich und zufrieden zu sein. Wir kommen alle mit diesem Wissen auf die Welt. Dann wird es uns abtrainiert oder wir verlieren es und uns in all den scheinbaren Widersprüchen und all dem Gerangel um mehr, mehr, mehr von allem. Im Tod erinnern wir uns vielleicht wieder daran: Das eine gibt es ohne das andere nicht."

"Nun, aber letztendlich sind es doch nur Banalitäten, die Sie da formulieren."

"Das Leben ist banal. Nur wir machen einen irren Bohei um all seine verwirrt verworrenen Ausdrucksformen und verlieren es dabei völlig aus dem Auge."


Ja, ich bin gegen jede Form von Gewalt. Einer meiner festverwurzelten Glaubenssätze. Und doch gab es Momente in meinem Leben, da musste ich zuerst zuschlagen, weil jede Zurückhaltung ganz konkret den Tod als reale Möglichkeit beinhaltet hätte. Mit diesem Widerspruch zu leben ist alles andere als einfach. Manchmal könnt ich glatt dran zerbrechen. Und doch, wenn ich mich in die Situationen zurück versetze, dann würde ich es immer wieder genauso tun. Fazit: Meine grundsätzliche Gewaltlosigkeit als innerer Wert ist also keine Garantie für mein mögliches zukünftiges Verhalten in konkreten Situationen. Das ist eine elendige Erkenntnis. Ich bin ein wandelnder Widerspruch. … … … Ich habe mich trotzdem lieb. Punkt.
Ich versuche es zu verstehen: Ja, es ist so schön kuschelig in deinen Kisten, Schächtelchen und Schubladen. Du weißt genau, wo alles liegt, wo es hin gehört, wo und wie du Neues schnell und unkompliziert einordnen kannst. Da verwirrt dich gar nix. Das macht dich wohlig und bietet dir Schutz und Sicherheit. Da draußen, da ist es so … anders. Da gibt es keine Garantie für gar nix. Da schwappen unbekannte Emotionen rum, kommen dir nahe, kriechen in dich rein, docken womöglich noch irgendwo an. Bringen Unordnung, Chaos, Bewegung oder gar Veränderung mit sich. Deine innere Landkarte wackelt bedenklich und die eingefahrenen Straßen verschieben sich gar. Bähhh! Das macht doch Angst und bringt beißende Unruhe ins Gleichmaß deiner scheinbar gezähmten Welt.

Aber, weißt du, einmal dran gerochen, nur einmal dran geleckt, nur einmal davon berührt worden sein, dann lässt es dich doch nicht mehr los. Es ist so ziehend. Es riecht so nach Abenteuer. Nach Wind und Sturm und hohen Wellen. Nach Risiko und Ungewissheit ... nach Lust und Lebensfreude?! ... Iggitt! Wie widerlich. ... ... ... widerlich. ... ... Nur widerlich? … Oder doch auch so verführerisch lebendig?! So ein klitzekleines bisschen?

Ach Mensch, lass dich doch endlich vom Leben in all seiner Vielfalt und seinen nicht griffigen Schattierungen verführen und schmeiß all deine Kistchen, Schachteln, Schubladen einfach auf den Müllhaufen und zeig der Angst und der Tristesse deinen wackelnden Stinkefinger! 


Oh, wir nähern uns der Weihnachtszeit, der Martin zieht bald um und der Nikolaus rennt über die Dächer. Hochsaison. Und schon taucht wieder dieser unsägliche Text „Wir lassen uns unsere Traditionen nicht wegnehmen indem man sie umbenennt!“ in diversen Timelines auf. Ich könnt grad kotzen drüber. Das ist wie ein Virus. Ein ganz erbärmlicher dazu. Hochansteckend und völlig sinnentleert, wie die Viren das eben so an sich haben.  
Das Idiotische daran ist nämlich, dass dies niemals von irgendjemand nichtchristlichem ernsthaft gefordert wurde, sondern in den Köpfen von irgendwelchen superdeutschbiszumAnschlagdeutschen Schreibtischhengsten und überpädagogisierenden Quadratköpfen ausgedacht wurde. (In anderen Zusammenhängen würde man dies einen realitätsfernen, vorauseilenden Gehorsam ohne Auftrag nennen.)
Also, meine muslimischen, buddhistischen, jüdischen, zarathrustischen, hinduistischen, schamanischen, klupalistischen und sonstigen Freunde unterschiedlichster Religionen und Weltanschauungen feiern super gerne Weihnachten, Ostern, Martinstag und sonstige Feste mit mir. Sie feiern nämlich einfach gerne und beschenken sich gerne und mögen alle solche Rituale und Feierlichkeiten mit viel Licht und Liebe und  SchnickschnackGedöns. Die lassen da nix aus. Nicht mal den Weihnachtmarkt oder Halloween. Und das ganze HausGartenFenstergeschmücke schon gar nicht. Das ist manchmal schon richtig peinlich.  
„Ich will keine Bilder von toten und verwundeten Kindern mehr sehen. Die Maßlosigkeit dieser Bilder überfordert mich.“

Ach?! Der Herr Augstein möchte keine Bilder mehr von getöteten, zerfetzten, zerbombten, elendig verreckten Kindern aus Syrien mehr sehen? Weil sie einem die eigene Hilf- und Machtlosigkeiten um die Ohren hauen würden. Oh, was für ein Argument aus einer zutiefst übersättigten und fett saturierten Position heraus. Er spricht gar von Missbrauch der Kinder durch die vermutete Instrumentalisierung der Kinderfotos durch die Medien. Und vom Missbrauch seiner eigenen Gefühle beim Anschauen dieser Bilder. Herr  Augstein, es gibt viele Texte und Beiträge von Ihnen, die ich gerne zitiere, aber hier kann ich Ihnen nicht folgen. Ich bekomm Schnappatmung beim Lesen dieses Textes. Ich halte es Ihrer unbestreitbar vorhandenen Überforderung oder einer Magenverstimmung zugute, weil ich wohlwollend bin, dass Sie so einen, man könnte fast schon sagen bösartigen, Unsinn verbreiten.

Ja, diese Bilder graben sich tief in die eigene Seele hinein und ja, die anscheinende eigene Machtlosigkeit drückt einem die Luft ab. Aber! und dieses Aber ist ein wohlbedachtes: Das Unsägliche verschwindet nicht, indem man es nicht ansieht. Und machtlos ist niemand. Bequem, faul, träge, verängstigt, schuldhaft verstrickt, erbärmlich, traurig, hilflos, hilflos wütend, erstarrt vor Schrecken… ja, so und noch ganz anderskann man sich fühlen. Aber, diese Gefühle sagen doch mehr über einen selbst, denn über die eigenen realen Handlungsmöglichkeiten aus. Sie zum Beispiel könnten Ihre mediale „Macht“ dazu nutzen den berechtigten Zorn, der sich aus tiefem Mitgefühl gebiert, an die richtigen Adressaten zu lenken. Sie könnten den Menschen Wege aus ihrer vermuteten Hilflosigkeit aufzeigen,  indem Sie endlich mal von Ihrem Thron des Kommentators in, auch sprachlich, abgehobenen Denkräumen herunterstiegen und Bilder kreierten, die den Menschen praktische Handreichungen und nicht nur Knoten im Gehirn anbieten würden.

Bilder, ja, Bilder schaffen Mitgefühl und Aufbegehren, wenn die Sprache nicht mehr herankommt, weil sie sich dem Unsagbaren versagt oder weil die sprachlich erreichbaren Gehirnzellen geschreddert oder verkümmert sind. Und, ich höre, anscheinend im Gegensatz zu Ihnen,  immer noch und immer wieder die verzweifelten Schreie von Menschen über viele Zeiten und kulturelle Grenzen hinweg: Seht Ihr uns nicht?! Könnt Ihr uns nicht sehen? Schaut uns endlich an, in unserem Sterben und in unserem Leid!

Solange wir als Menschen dem Menschen zumuten so zu verrecken, halte ich es für zumindest ebenso zumutbar, sich die Ergebnisse dieser Zumutungen zuzumuten.
Vielleicht kommt nach dem Kotzen endlich der Zorn.

*Anmerkung
„Missbrauch“ durch fotografische Darstellung des Unsäglichen? Sie, Herr Augstein wissen anscheinend nicht was „Missbrauch“ real bedeutet. Schauen Sie sich die Bilder an und noch viel mehr. Dann bekommen Sie vielleicht eine Ahnung über die wirklichen Dimensionen dieses Begriffes
„Du denkst halt anders als ich. Das macht ja nix.“

„Hey, wieso denk ich anders?“

„Was war für dich die erschütterndste Nachricht in der letzten Woche?“

„Was ne blöde Frage, die Scheidung von xy natürlich. Ich hab so geheult.“

„Siehste, das meinte ich.“