21.7.18


In einer Zeit, in der Geschichte, Weltanschauungen, ja gar Utopien weichgespült zusammengefasst und mit passender Werbung unterlegt zum reinen Konsumgut mit kurzfristigem Haltbarkeitsdatum verkommen sind, wäre es da nicht angebracht einen Schritt zur Seite zu machen und sich auf die Suche zu begeben nach der Ideengeschichte der Menschheit und in Muse in derselben zu baden und sich neu inspirieren zu lassen von all dem Großartigen und Schönen, zu dem Menschen seit alters her auch in der Lage zu erschaffen waren? Die Mühe lohnt, und aus ihr wird, ich spreche aus eigener Erfahrung, sobald eine tiefergehende Bereicherung.

11.7.18



Tote im Mittelmeer. viele der Leichen werden an die Küsten angeschwemmt. 

Darum geht es, wenn die feinen Herren und Damen über Grenzen, Mauern, Rettungsverbote und all den anderen Scheiß schwadronieren.

Darum geht es.

Ja, das lässt mittlerweile viele Menschen kalt. Geht ihnen am Arsch vorbei. Stört nur die eigenen Befindlichkeiten. Will man nicht sehen. Oder wenn doch, freut man sich noch lauthals darüber. Die Kommentare in den Medien quellen über vor hasstriefendem Unsäglichen. Diese Freude und Häme fressen sich in meine Seele. Das sind keine Verwirrten, keine armen Besorgten, keine vom eigenen Unglück Übermannten. Nein, die die sich da öffentlich die Hände reichen und "Absaufen! Absaufen! Absaufen!" grölen, das sind diejenigen, die kaltschnäuzig die Kugeln abfeuern, Gesichter eintreten, Körper aufreißen und anschließend gut gelaunt beim gemeinsamen Grillen mit den Nachbarn über die Vor- und Nachteile dieses oder jenes Bieres, des letzten oder nächsten Urlaubsortes palavern würden. Diejenigen, die ihre Kinder und Frauen herzen und am nächsten Morgen froh gelaunt ihrem Job mit Gewehr, Knüppel und Spaten nachgehen würden. Vielleicht noch ein Selfie für Onkel Herbert an den Gruben.

Zynisch? Nein, mein Zynismus hat sich schon lange verabschiedet. Nicht mal er wird damit noch fertig.


„Was soll man bloß machen in Zeiten, in denen sich sowohl gute als auch schlechte Nachrichten immer wieder im Nachhinein als Fakes heraus stellen? Was ist wahr, was ist eine Lüge? Was ist richtig, was ist falsch?“

„Mir helfen in solchen Momenten diese Fragen: Wer, in welchem Kontext, wie und warum. Oder, wem nützt es? Und wenn mir das alles zu viel wird, dann schließe ich für eine Weile die Türen zur Informationsflut und beschäftige mich den sogenannten kleinen Dingen. Den Gerüchen im Garten, dem Geschmack eines reifen Stück Obstes, dem Strahlen in Kinderaugen, dem Gefühl des eiskalten Wassers auf der Haut, dem Wind in den Haaren, der Zärtlichkeit beim Spüren jeder kleinsten Bewegung meines Körpers, dem Fließen meines Atems. Gehe quasi vom Makro in den Mikrokosmos. Das erdet mich und stärkt mein Bauchgefühl. Und dieses ist, unterm Strich, eh der beste Begleiter durch die Vielfalt der Nachrichten, Meldungen, Informationen von außen.“

30.6.18


Vergessen, relativieren, schönreden, abtun, verächtlich machen, verdrängen, abschließen. Kommt mir nicht damit. Niemals. Die Haltung, das Schweigen, das Wegsehen, das Verdrehen, das Leugnen, das Mitläufertum, das Glorifizieren – es hat ja nie aufgehört. Der Boden, aus dem diese Schrecklichkeiten erwuchsen, reicht weiter zurück als 1933 und gärt und brodelt seit 1945, mal mehr, mal weniger genährt, vor sich hin. Und jetzt erhebt der braune Dreck wieder erstarkt sein Haupt. Und weil es diese widerwärtige Linie gibt, in die Geschichte hinein und bis in unsere Gegenwart, müssen wir das Vergangene begreifen, um im Jetzt zu widerstehen, damit das Zukünftige davon nicht mehr verseucht sein wird.

"Heute hör‘ ich, wir soll‘n das in die Geschichte einreihen,
Und es muß doch auch mal Schluß sein, endlich, nach all den Jahr‘n.
Ich rede und ich singe und wenn es sein muß, werd‘ ich schreien,
Damit unsre Kinder erfahren, wer sie war‘n:
Der Älteste war siebzehn, der Jüngste grad vier Jahre,
Von der Rampe in Birkenau in die Gaskammern geführt.
Ich werd‘ sie mein Leben lang sehn und bewahre
Ihre Namen in meiner Seele eingraviert."


Die Kinder von Izieu

29.6.18


Mit diesen ganzen halbgaren Entschlüssen zur EU Flüchtlingspolitik verratet ihr, ihr Politiker, alles, was an Europa für Millionen Europäer seit Jahrzehnten so wunderbar, einzigartig und verteidigungswürdig war. Und für was? Für diese paar Idioten mit ihren Grenzen in Köpfen und Herzen, für diesen ganzen nationalistischen Scheißaufguss? Die vertreten doch nicht die Mehrheit der Menschen in Europa. Ja, sie sind gewalttätiger, skrupelloser, lauter, kreischender. Aber, sie sind nicht die Mehrheit. Und von solchen Altvorderen lasst ihr euch scheuchen und schleimt sie an? Das kann nicht sein, oder? Ihr seid ja nicht dumm. Also geht es doch um etwas anderes? Geht es um eure Pöstchen und euer kurzfristiges, privates Wohlbefinden? Geht es um die Gelder, die euch da und dort und dort zusätzlich zugeschoben werden? Geht es um euer Ego? Wenn das so wäre, dann wäre zumindest Ehrlichkeit angesagt und nicht so ein Rumgeeier und Geseier. Dann sagt es doch klipp und klar: „Wir wissen nicht, wie wir das mit den Menschen in Not und Elend auf der Welt lösen können. Wir wissen nicht, wie das ohne einen grundsätzlichen Reset unserer Politik und Wirtschaft zu lösen wäre. Und wir wollen es auch nicht wissen. Unser Leben ist auch nur endlich und wir wollen unsere Vorteile aus dem Jetzigen nicht verlieren. Also gehen uns diese Menschenleben schlichtweg am Arsch vorbei und sie stören uns nur, wenn sie vor unserer Haustür krepieren und unsere Bürger*innen rebellisch und dann vielleicht noch gar solidarisch werden lassen. Also sorgen wir dafür, dass es stiller um sie wird und sie in Lagern weit weg von uns verschwinden, so wie Abermillionen seit Jahrzehnten. Wir, ja wir wollen uns darum nicht tiefer gehend kümmern. Sie nerven uns. Sie nerven uns. Sie nerven uns. Wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Denn damit geht es uns gut. Und wenn das nur geht, indem wir Mauern hochziehen und Menschenrechte auf den Müll kippen und wir Millionen Menschen irgendwo elendig dahinvegetieren oder verrecken lassen müssen, dann geht es halt nur so. Das tut uns wirklich leid. Ehrlich. Aber mehr halt auch nicht.“

Aber, dafür habt ihr die Eier nicht in der Hose. 

19.6.18


Brennendste Probleme in Deutschland:

Fehlendes Personal in den Krankenhäusern
Mangel an Pflegekräften überhaupt
Altersarmut
Arbeitslosigkeit
Mindestlohn
Hartz IV
Hohe Mieten und kein bezahlbarer Wohnraum
Mangelnde und fehlende Kinderbetreuung
Marode Schulen und Lehrkräftemangel
Kaputte Infrastruktur (fehlende Ärzte, ÖPNV, Einkaufmöglichkeiten, etc.) auf dem Land.
Umweltschutz und Klima
Was dir sonst noch einfällt.

Und du glaubst allen Ernstes, ein einziges dieser Probleme ließe sich dadurch lösen, dass wir die Grenzen dicht machen? *andenkoppklatsch

16.6.18


Meine Meinung.

Die wesentlichen Grundpfeiler unserer Gesellschaft ->


„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

„Die Menschenrechte gelten für alle Menschen dieser Welt.“

„Rechtsicherheit und Gleichheit vor dem Gesetz als wesentlicher Bestandteil unseres Rechtssystems.“

„Die Gemeinschaft sorgt für und schützt ihre schwächsten Mitglieder.“

Da steht nichts von Ausschlussgründen. Keine Ausnahmeregeln bezüglich Geschlecht, Herkunft, Status, Religionszugehörigkeit, Alter, sexuelle Neigung, Meinung, Haltung, Handlung. Nichts, nada, gar nichts schränkt diese Grundsätze ein.

Ja klar, es wird sich im Alltäglichen nicht immer daran gehalten. Natürlich sind wir in vielen Bereichen noch meilenweit von einer hundertprozentigen Umsetzung entfernt. Aber, und dieses ABER ist ein dickes, wir bemühen uns, reflektieren, streiten, decken auf, kritisieren, korrigieren, verändern, drehen an dieser oder jener Schraube. Ein Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Das bisher Erreichte jedoch gilt es zu schützen und zu verteidigen. Ohne Wenn und Aber.

Warum ich mir darüber einen Kopf mache? Meine Erfahrungen lehrten mich, dass ich mich sehr wohl sehr heftig mit einem Menschen über bestimmte politische Haltungen und Blickwinkel streiten kann, wenn, ja wenn ich weiß, dass wir uns über die obigen Grundpfeiler einig sind. Darum geht es gerade jetzt. Dialog und Zusammenarbeit zwischen diesen Menschen. Gemeinsam gegen diejenigen, die diese Grundpfeiler unserer Gesellschaft grundsätzlich in Frage stellen und sie zerschlagen wollen.

Darin, und nur darin liegt unsere Hoffnung.