16.1.20


Weil es mir in meinen digitalen Netzwerken immer öfter auffällt, dass sich da mir sehr lieb gewordene Menschen über die furchtbaren und schrecklichen Entwicklungen der Menschen in der letzten Zeit grämen und ab und an ganz hoffnungslos zu werden scheinen, erlaube ich mir diesen Beitrag von mir hier auch nochmal hochzuziehen ->

Ja, ich sehe die Schrecknisse. Jedoch sehe ich hier auch einen Denkfehler, wenn man meint, das sei alles so neu: Es ist heute eben nicht schlimmer als es früher schon war.

In meinem Leben gab es die entsetzlichen Bilder und Erkenntnisse der Zeit 33 bis 45, die Gräuel im Gulag, in Biafra, Ruanda, Griechenland, Chile, Kosovo … die medizinischen Versuche an Heimkindern, der RAF Terror und seine Folgen, Gewalt gegen Frauen und Kinder, das Elend der Vertriebenen, die Brutalität in den sogenannten heilen Familien, hinter Kirchentüren und in Jugendeinrichtungen, die Folterzentren rund um den Globus, die Kriege überall auf der Welt, und, und, und ... ...

Der Mensch war schon immer auch ein elendiges Mistvieh von unvorstellbarer Grausamkeit.

Wir bekommen heute nur mehr mit davon. Können hören und sehen und lesen. Das macht diesen Eindruck, es sei alles so viel schlimmer. Und natürlich die Propaganda jedweder Couleur, die unsere hochgezüchtete Angst braucht, um sich an ihr zu nähren.

Nein, es ist nicht schlimmer, nur sind sich heute viel mehr Menschen darüber bewusst, dass daran und auch daran überhaupt etwas Schlimmes sein könnte. Und genau das, dieses wachsende Gefühl für Unrecht überall auf der Welt, macht mir Hoffnung.

*Anmerkung
Würde ausschließlich oder doch überwiegend in allen Medien laufend über all das Gute und Positive hier im Land und auf der Welt berichtet werden, dann sehe unser aktuelles Welt- und Menschenbild ganz anders aus. Denn, obwohl der Mensch dem Menschen ein grausamer Schlächter ist, gab und gibt es die andere Seite eben auch. Immer. Überall. Auch, gerade, trotz all der Grausamkeiten und unvorstellbaren Szenarien reicht der Mensch voller Freundlichkeit, voller Engagement, voller Liebe und Mitgefühl auch immer seine Hand dem anderen Menschen. Überall auf der Welt.

13.1.20


Gilt immer noch:

Jedes Mal aufs Neue überrascht werden, jedes Mal aufs Neue von Gefühlen überrollt zu werden. Jedes Mal aufs Neue, entgegen aller Erfahrungswerte, wie beim ersten Mal mit großen Augen staunen, dass die Welt so ganz anders ist, als ich angenommen hatte.

Ja, ich heule immer wieder an den gleichen Stellen in längst bekannten Filmen und weine mir die Seele aus dem Leib bei jedem Bericht aus Kriegsgebieten, über jede Ungerechtigkeit, oder wenn ich sehe, wie Paare sich über Jahrzehnte zerfleischen, oder der einzelne Mensch mit aller Kraft gegen die Mühen des (Über)Lebens ankämpft, oder versucht gegen alle Widrigkeiten seine innere Balance zu finden. Ich bebe vor Zorn über all die aggressive Dummheit und Gnadenlosigkeit vieler Menschen und werfe meine Wut unbedacht laut schreiend in die Arena der zwischenmenschlichen Kommunikation ... und, und, und.

Denn, da ist ja auch die andere Seite: Das Kichern und Glucksen und Lachen über Dinge, für die sich andere nicht mal ein beiläufiges Mundverziehen abringen könnten. Da ist die Liebe zu den Menschen und zu mir ... und da ist immer noch Schönheit in allem Hässlichen … und, und, und.

Da ist nichts abgeklärt, da ist nichts kalt und abwinkend geworden. Da fehlt mir wohl das richtige Gen dazu. Ich bin kindlich. Und irgendwie will ich das auch nicht ändern.

7.1.20


Je mehr ich über die Vorfälle im Leipziger Stadtteil Connewitz in der Silvesternacht, und vor allem über die Berichterstattung dazu und in den diversen Kommentaren aus dem politischen Spektrum lese, desto mehr beschleicht mich der Verdacht, dass bestimmte Kreise recht froh gewesen wären, wenn dem Polizisten/den Polizisten  wirklich Schlimmeres passiert wäre.

Warum?

Für mich unterscheiden sich bisher im Aktuellen bei uns unterm Strich linke und rechte Gewalt vor allem dadurch, dass sich überwiegend nur die rechte Gewalt gezielt und absichtsvoll gegen Leben und körperliche Unversehrtheit von Menschen richtet. Und weil das so ist, musste man in den Berichten und Kommentaren wohl auch die RAF! bemühen um die angeblich aktuelle, staatsgefährdende linksextreme Gewalt in den Vordergrund der öffentlichen Wahrnehmung zu schieben und somit das alte Feindbild in konservativen Kreisen mal wieder aus der Mottenkiste zu holen, abzustauben und in Position zu bringen.

Das ist so lächerlich wie gefährlich und erinnert mich, wenn auch in (noch) wesentlich kleinerer Dimension, irgendwie an den Reichstagsbrand.

Die Gefahr für unsere Demokratie kommt derzeit ganz sicher nicht aus der linken Ecke. Wirklich nicht. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie sich Rechtsextremisten über das ganze Gehetze in die falsche Richtung gerade einen ablachen und sich vor Häme nicht mehr einkriegen.

28.12.19


"Meine Oma ist ne alte Umweltsau"

Jesses, da schießen die Wut und Hass Fontänen in den Himmel. Selbst bis dato recht gelassene Leute echauffieren sich bis kurz vor dem Herzkasper.

Holen wir die Leute jetzt sofort aus den Flüchtlingslagern, bevor sie alle dort elendig verrecken?

Zwingen wir unsere Regierung endlich dazu, Waffenexporte ein für alle Mal zu verbieten?

Nehmen wir die großen Dreckschleudern, die unsere Umwelt vergiften, endlich in die Verantwortung?

Stellen wir uns endlich massenhaft vor die Kinder, die in und von ihren Familien gequält, missbraucht, gedemütigt, getötet werden?

Und, und, und ... ... ... nein, wir regen uns lieber über ein umgetextetes Kinderlied auf, was anscheinend recht vergnüglich von Kindern dargeboten wurde.

Wird diese dämlich sinnlose Aufregung, sinnlos im Angesicht des täglichen erschreckenden Irrsinns, eigentlich von jemandem bewusst gesteuert?

Übrigens, ich bin eine Oma und ich war bis vor einiger Zeit mein Leben lang schlichtweg eine Umweltsau. Könnte man wohlwollender formulieren, vielleicht. Ändert aber nichts an der Tatsache.


Ergänzung: 

Wenn ich das richtig sehe, dann wurde vorher mit den Eltern und den Kindern über den Text ausführlich gesprochen und alle fanden ihn vertretbar. Sie sahen auch recht fidel aus beim Singen.
Mich erinnert der Text an die Umdichtungen von kleinen Kindern von Reimen und Kinderliedern. Höre ich immer wieder mal im Kindergarten. Die Kinder singen das mit Kichern und mit erwartungsvollen Augen, ob ich mich dadurch provozieren lasse. Meistens kichere ich mit. Wenn es mir zu ausfällig und diskriminierend erscheint, mach ich ein Thema in den nächsten Tagen daraus.

Das Bohei um das OmaLied kam eindeutig aus der rechten, sehr rechten Ecke und wurde auch auf deren Seiten (ich war letzte Nacht auf sehr vielen davon) regelrecht befeuert. Was ich da lesen musste ging weit, sehr weit über die "Respektlosigkeit" des Liedes hinaus und befand sich zum Teil im strafrechtlich relevanten Bereich.

By the way: Jede/jeder kann den Liedtext schräg, frech, ungehörig, respektlos finden und sich entsprechend darüber äußern. Da habe ich kein Problem mit. Genauso gut kann man ihn aber auch witzig, satirisch, provozierend gut, oder sonstwas finden. Alles im grünen Bereich. Das, was ich jedoch in den Kommentaren in den sozialen Netzwerken in Masse dazu gelesen habe, geht aber weit, weit über diesen grünen Bereich hinaus. Da ging es nicht mehr das Lied oder die Kinder, sondern um Zensur, um Rundumschläge gegen die Medien, um das Auskippen von uralten Vorurteilsschubladen, um Hass gegen alle und jeden, die auch nur im Ansatz versuchten zur Mäßigung beizutragen. Da! wurden Liedtext und die Kinder wirklich instrumentalisiert - für das Baden in und die Verbreitung von einem kranken und widerlichen Menschen- und Weltbild.

Und das geht so gar nicht.

24.12.19


"... Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen."

Haben Schmerz und Leid
eine Farbe, ein Geschlecht, ein Alter,
eine nationale Herkunft, eine Religion?
Nein! Sie sind immer nur eines:
Schmerz und Leid.

22.12.19


Es gibt nur einen wirklichen Grund etwas zu verändern: Du hältst es einfach nicht mehr aus.

Wenn kein innerer Leidensdruck vorhanden ist, dann gibt es auch keinen Drang etwas ernsthaft ändern zu wollen.

Gilt nicht nur für Therapie und Coaching, sondern, nach meinen Erfahrungen, auch für alles andere.

Auch aus diesem Grunde wird das zum Beispiel nichts mit weltweiten, grundlegenden, nachhaltigen Aktionen gegen den Klimawandel. Die verursachenden Globalplayer empfinden alles Mögliche, nur keinen Leidensdruck oder gar eine Bedrohung.

14.12.19


Irgendwie dachte ich ja: Kinder sind groß. Haben zum Teil eigene Familie. Also, endlich zumindest mal kein Dekoweihnachtsgedöns.

*Hahaha. Geht ja gar nicht. Immerhin seien sie meine Kinder, es gebe ja  jahrhundertealte Familientraditionen und, mit strengem Blick das absolute Totschlagargument: 

"M A M A! Du hast jetzt Enkelkinder!!!“

Okay. Sie schleppten den tollsten Baum an („Der sieht aus wie du, Oma!“), schmückten ihn mit viel Spaß, Selbstgebasteltem und euphorischem Kindergesang ... ... ... und ja, es ist sooooo lieb und süß von ihnen.