10.8.19

Kompromiss


Ich mache Euch ein Angebot, das Ihr nicht ablehnen könnt:

Ihr halbiert die Anzahl der Bundestagsabgeordneten und verringert generell den gesamten staatlichen Verwaltungsaufwand, reduziert die Ausgaben für die Bundeswehr drastisch und erhöht dafür die für die Bildung erheblich, baut den öffentlichen Nahverkehr aus und macht ihn bundesweit kostenlos, beendet das zwei Klassensystem im Gesundheitswesen, führt das bedingungslose Grundeinkommen in realistischer Höhe ein und erhöht den Mindestlohn auf mindestens 12 Euro. Ihr verbietet ab sofort die Massentierhaltung und erlaubt keinen Import mehr von unter diesen Bedingungen produzierten Fleisch- und Wurstwaren, und zu guter Letzt sorgt Ihr für den Kohleausstieg bis Ende 2020. 

Dafür wäre ich dann gerne bereit ohne Murren eine Fleischsteuer und eine CO2-Steuer, oder wie Ihr es sonst nennen wollt, zu bezahlen.

*Anmerkung

Ja, ich weiß, es gibt noch viel mehr Baustellen. Aber ich bin erstmal großzügig und will nicht überfordern.

8.8.19


Im Bärtierchenarchiv, hinterste Ecke links, wühlt ein kleiner Junge in einem riesigen, vergammelten Berg von Papierschnipsel, die nur noch deshalb erhalten waren, weil die alte Archivarin nichts wegwerfen konnte und ab und an nach Lust und Laune einen zellerhalten Stoff über die Reste sprühte.

"Guck mal, Papa, wir standen schon einmal in der Zeitung!"

"Ach Kind, das ist jetzt schon ein paar tausend Jahre her. Der Planet hat sich damals ja von dem schrecklichen Parasiten Mensch befreit, hat sich erholt und ist allereigentlich recht hübsch. Es gibt sogar einen täglichen Shuttledienst vom Mond zum Erdbahnhof Napata. Dort in der Nähe gibt es auch ein Museum, in denen es gut erhaltene Fragmente aus der Kultur der Erdmenschen zu sehen gibt. Das würde dich bestimmt belustigen. Wir fragen die Familie, ob sie Lust hat, einen kleinen Ausflug zu machen."


1.8.19


Im Laufe meines Lebens habe ich ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht, mich durch die Menschheitsgeschichte gelesen und abertausende Diskurse geführt.

Je älter ich werde, umso mehr reduzieren sich die Antworten auf meine Fragen, werden viel einfacher und meine Glaubenssätze grundsätzlicher und ja, das denke ich, wahrhaftiger.

Eigentlich ist in dem Fundus der gesamten bisherigen Erkenntnisse der Menschheit schon alles Wesentliche gesagt und weitergegeben worden.

Ich fange mal an zu sammeln. Habt Ihr auch Ideen, Anmerkungen? Dann bitte ergänzen! ->

Der Mensch braucht den Menschen, um sich als Mensch zu erkennen und Mensch zu sein.

Der Kaiser ist nackt.

Macht korrumpiert.

Armut macht krank.

Alle Menschen haben die gleichen Rechte.

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Alle Kinder haben Rechte.

Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Das Bewusstsein kann im Handeln das Sein verändern.

Eine Gesellschaft schützt ihre Kinder, die Alten, die Hilfsbedürftigen.

Nie wieder Krieg.

Eine Gesellschaft braucht zum friedlichen Zusammenleben ein Rechtssystem, dem alle in Gleichheit unterstellt sind.

Jeder Mensch ist sterblich.

Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf und ein liebendes Gegenüber. Der Mensch kann zwischen beidem und all den Schattierungen dazwischen wählen. Das ist seine Freiheit und seine Verantwortung.

Das Leben ist ein Prozess. Alles verändert sich.

Gewalt ist niemals eine Lösung.

Kommunikation ist die Grundlage für alles. 

Jeder Mensch will glücklich sein.

28.7.19


Ich mag Winter und Schnee nicht und doch träumte ich heute Nacht, auf der Bank vor dem Haus, weil es dort allemal ein Stückchen kühler war als in den überhitzten Räumen, von der Schneekönigin, der Liebreizenden, die mich in Eis und Schnee badete. So weit ist es nun schon. *snief

26.7.19

X Faktor


Da immer noch 32° in den Räumen und ich den Anpassungsprozess nicht in dieser Schnelle vollziehen kann (bin ja kein Evolutionsturbo), den ganzen Nachmittag mit YouTube und Musik hören verbracht. Dabei bin ich auch auf die Zusammenschnitte diverser X-Faktor Sendungen gestoßen.

Klar, das Format an sich, die Verarschung der TeilnehmerInnen und vom Publikum, die dreisten Lügen, die Gelddruckmaschinerie – geschenkt.  Was mich jedoch beim Ansehen fasziniert hat, war die Vielfalt der dort singenden Menschen. Ihre Herkünfte, ihr Können, ihr Mut, da aufzutreten. Sicher, eine Menge Pfeifen dabei, Rundreisende im Auditions Karussell.

Aber, die anderen, bei denen man, oft unerwartet, sieht, dass sie sich reinknien in ihre Musik und in ihre Vorträge, die ihnen wohl mehr bedeuten als nur die Teilnahme an so einer Show, und die so gar nicht den Mainstreamvorstellungen von SängerInnen entsprechen – ja, die haben mir gefallen und die haben meinen Respekt.

Ich bin wieder in meiner Überzeugung bestärkt worden, dass in jedem Menschen so vieles steckt, was nie eine Chance bekam hervorzubrechen und sich zu entfalten.


„Kommst du mit zur Klimademo?“

„Du weißt, dass ich von dem Klimakrisegedöns nicht viel halte.“

„Komm doch mit. Vielleicht lernst du was Neues.“

„Ne, lass mal. Ist auch viel zu heiß. Vierzig Grad. Tut mir nicht gut.“

„Ach?!“

Sei, wie du bist!


Es gibt so Sätze, wenn ich über die nachdenke, dann bekomme ich Knoten im Gehirn: "Sei, wie du bist!" oder "Sei du selbst!" zum Beispiel.  

Wer bin ich denn? Tausend sich widersprechende Puzzleteile. Dunkle Schatten, hellstes Licht. Dazwischen sich lustig tummelnd alle Schattierungen in allen Farben. Manches offenbart, einiges gelöst und transformiert. Vieles wartet noch am Schalter der Reflexion.

"Du bist der Regisseur deines Lebens." Bei sowas denk ich immer an "Und weil der Mensch ein Mensch ist, drum braucht er was zum Fressen bitte sehr. Es macht ihn ein Geschwätz nicht satt, das schafft kein Essen her."

Da soll ich dem alten Mann, dem gerade nach 46 Jahren die Wohnung gekündigt wird oder der jungen Frau nach der dreihundersten Bewerbung, dem dritten Hausbesuch vom Jobcenter und der letzten Abmahnung wegen Rauchen in der eigenen Wohnung sagen: "Sei jetzt mal ganz du selbst! Handle mal ganz aus deinem Bauch raus! Bleib mal ganz bei dir!" Bestenfalls bekomme ich eine gewischt.

Das waren dann wohl die falschen Adressaten für diese Sprüche Die können sich solche Sprüche eh nicht leisten. Und die, die sie sich leisten könnten, die brauchen sie eigentlich nicht. Also was soll das dann?