13.6.19


Die schlauen Erwachsenen diskutieren im Sonnenschein darüber, wie man denn das Hahn Problem unblutig lösen könnte. Immerhin schmecken die nicht und Eier legen sie auch keine. Also, wohin und wofür mit all den Hähnchen? Es wird schon ein bisschen laut und aufgeregt. In einer Atempause meint das Kind: "Wir essen alle einfach keine Hühnchen und Eier mehr, dann gibt es auch keinen Stress."

So ein kluges Kind. Der Preis ist einfach zu blutig hoch für ein bissl Hühnerfleisch ab und an und Eier auf dem Frühstückstisch.

Huch, was ein Geschrei und Gezeter. Du willst darauf nicht verzichten? Na, dann halte dir halt eigene dafür! Artgerecht! Mit allem Drum und Dran. Weißt du eigentlich, was die so jeden Tag essen und wie viel die kacken? Und das Schlachten und Rupfen! Also ich würde darüber nochmal nachdenken. So groß ist deine Wohnung nun ja auch nicht.

7.6.19


Pfingsten: Ich dachte als Kind wirklich für eine lange Zeit, dass da die Köpfe der Menschen mit Geist, Klugheit und allem Wissen der Menschheit gefüllt würden, die Dummheit ein Ende hätte. Das metaphorische „Heiliger“ im Begriff, als Gegenpart zur Vernunft, hatte ich völlig übersehen.

3.6.19


"So, Frau Nahles ist zurück getreten. Das ist doch gut!"

"Ähm... ja ... nun ... denn ... aber ..."

"Was passt Ihnen denn jetzt schon wieder nicht, Frau Müller? Können Sie nicht einmal etwas ausschließlich Positives sehen?!"

"Ach, wissen Sie, wir sind so Personen fixiert. So als wenn nur der einzelne Mensch der Träger von Schulddingens wäre. Da können wir so schön hetzen und geifern und uns erhaben fühlen. Aber! das lenkt doch nur ab. Und wenn wir dann jemanden zerrissen und fertig gemacht haben, dann denken wir, jetzt wird alles gut. Das ist aber Quatsch. Das System Partei ist ein modriger Moloch, der wird nicht in Frage gestellt durch den Rücktritt einer sogenannten Führungsperson. Da wären andere Dinge notwendig. Reset, Verweigerung, Austritte, etc. Das System bleibt und die Pfründeschröpfer ebenso. Kein Grund zur Freude also."

1.6.19


„Sie sind doch eine Linke, Frau Müller!“

„Und Sie sollten endlich mal an der schon so lange anstehenden Fortbildung teilnehmen. Käme gut.“

„Häh, welche Fortbildung denn?“

„Wie sortiere ich kompetent und zügig meine Ablage jenseits des alten Schubladensystems.“

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„Trotzdem deutet vieles darauf hin, dass Sie eine Linke sind, Frau Müller. Man muss einfach nur Ihre Beiträge verfolgen, um sich in dieser Annahme bestätigt zu sehen.“


„Die "Linke" gab und gibt es nicht. Und der Partei mit diesem Namen stehe ich skeptisch gegenüber. Ich könnte jedoch, wenn es denn sein muss, folgende Schubladen anbieten: Menschenrechtlerin, Weltenbürgerin, Kinder- und Frauenrechtlerin, Suchende, Lernende, Lehrende, Zweiflerin, Emphatin, Grenzgängerin, Naivchen, Seniorin, Diabetikerin, Autorin, Leseratte, Überlebende, Nervende ... und ... und .... Und all das und mehr immer in einer sich verändernden Mischung, mal dies, mal das, mal jenes herausragender, voller Widersprüche, Risse und Gebrösel. Standhaft nur in meiner Liebe zu den Menschen und meinem sicheren, subjektiven Bauchgefühl für Recht und Unrecht.“

27.5.19


"Ihr Kommentar zur EU Wahl?"

"Manche Menschen verstehe ich schlichtweg nicht. Natürlich habe ich sowohl soziologische als auch psychologische Erklärungsansätze. Aber, so von Mensch zu Mensch verstehe ich sie wirklich nicht wirklich. Und Dummheit dererseits als Erklärung wäre eventuell kurzfristig erleichternd für meine Seele, aber so richtig genügt mir das nicht."

"Nun, Überfremdung und Sicherheitsbedürfnis scheinen in Ostdeutschland den Wählerwillen ja stark beeinflusst zu haben."

"Überfremdung? In den zwei Bundesländern mit den niedrigsten Ausländeranteilen in der Bevölkerung? Sicherheitsbedürfnis? Und dann diejenigen wählen, die das höchste Sicherheitsrisiko darstellen? Na, ich weiß ja nicht. Dann würde ich doch eher, wenn wir die grenzwertigen intellektuellen Fähigkeiten dieser Wählergruppe mal außen vorlassen, auf den Autoritären Charakter als sinnigeren Erklärungsansatz tippen."

„Auch irgendwas Erfreuliches?“

„Ja, das Wahlverhalten der jungen Menschen. Das gibt Hoffnung.“

19.4.19


Der Bundesgerichtshof sagt,
Schuld sei das, was einem Menschen
persönlich vorgeworfen werden könne.
Es gibt keine Sippenhaft, keine Erbschuld,
und jeder Mensch hat das Recht auf eine eigene Biografie.

Ferdinand von Schirach aus „Die Würde ist antastbar“

Sippenhaft. Eine der widerwärtigsten Ausgeburten menschlicher Konstrukte. Eines der mächtigsten Instrumente von Diktaturen, tyrannischen Herrschaftssystemen und bis zum tödlichen Overkill von den Nazis auf die Spitze getrieben. Und immer wieder erhebt sie ihr Medusenhaupt. Da und dort und hier. Gestern und heute.

10.3.19


Solange Männer in Mehrheit nicht kapieren, dass sie mit dem was sie tun oder nicht tun, sich und den nachfolgenden männlichen Generationen Schreckliches antun, solange wird sich auch für die weiblichen Wesen in dieser Gesellschaft nichts wirklich stabil Grundlegendes ändern.

Wie viel Energie muss man eigentlich als Mann Tag für Tag aufwenden um den eigenen Leidensdruck unter all den vorgeblichen Bequemlichkeiten des konditionierten Mannseins nicht wahrzunehmen und den der jungen Jungs nicht zu erkennen? Mensch Mann, was mit dieser Energie alles Sinnvolles anzufangen wäre.

15.2.19


Am realen Bedarf vorbei.

Ich kenne eine Menge Menschen, die könnten ihre psychischen Dissonanzen und die daraus folgenden körperlichen Beschwerden sehr gut ohne Medikamente in den Griff bekommen, wenn sie Zeit und Muße hätten, einmal ganz und gar bei sich selbst anzukommen. Können sie aber nicht, weil sie es sich schlichtweg nicht "leisten" können. Sie kämpfen nämlich Tag für Tag um die Befriedigung ihrer ganz banalen Grundbedürfnisse: Wohnen, Essen, Teilhabe. Die können nicht einfach aus krankmachenden Verhältnissen aussteigen und sich den Luxus leisten, sich und ihr Leben gesundheitsfördernd zu entschleunigen und begleitende Hilfen anzunehmen. Dann hängen ihnen nämlich diverse Ämter und Gläubiger existenzbedrohend im Nacken. Mein ewiger Hader mit den lieben KollegInnen: Ihr habt wirklich wunderbare Werkzeuge geschaffen! Aber ihr habt immer den größten Teil der Bevölkerung, nämlich die, die in prekären wirtschaftlichen Verhältnissen leben, von dem Genuss derselben ausgeschlossen. Manchmal kommt es mir so vor, als seht ihr die und ihre Lebensumstände gar nicht. Ein blinder Fleck quasi, von Anfang an und recht nachhaltig gehegt und gepflegt bis heute.

9.2.19


„Es gibt zwei Wörter, die dir im Leben viele Türen öffnen werden: 
ziehen und drücken.“

(Spruch an einer Hauswand)

„Erinnert mich an viele Coaching Formate, in denen Selbstverständlichkeiten verpackt in wohlklingende Worthülsen und als die absolut neuste Erkenntnis des Universums teuer verkauft werden.“

„Das ist in der Therapie ja auch nicht anders, Frau Müller.“

„In unseriösen Angeboten, in denen es vor allem darum geht den (zahlenden) Klienten bei der Stange zu halten und in aus jeder Sitzung mit einem kurzfristig glückseligen Gefühl nach Hause zu schicken, sicher. In einer verantwortungsvollen und kompetenten Therapie geht es jedoch vor allem darum, genau solche Worthülsen, die sich oft als standhafte und Leid hervorrufende Glaubenssätze manifestieren, zu hinterfragen und aufzulösen. Da kommt man mit oberflächlichem Geplapper und banalen Wortreihungen nicht wirklich weiter.“

2.2.19


„Das ist ein Schutzstein. Den trage ich immer in meiner Jackentasche.“

„Wie überraschend, Frau Müller. Ich wusste gar nicht, dass Sie auch eine esoterische Seite haben und mit Steinen arbeiten. Sehr schön!“

„Klaro, ich bin da ausgesprochen flexibel. Ich trage den bei mir, damit ich mit ihm, falls ich mich bedroht fühle, laut `Feuer, Feuer´ schreiend, die nächste Fensterscheibe einwerfen kann. Die Chance, dass dann jemand zur Hilfe herbeieilt, vervielfacht sich dadurch erheblich.“

„Oh, aber ich dachte.“

„Außerdem erhöht sich damit die Wahrscheinlichkeit, dass der/die vermutlichen Täter irritiert werden und zumindest kurz inne halten. Das gibt mir die Zeit, den Umständen entsprechend zu agieren.“

„Ähm, ich dachte, wir sprechen hier über Heilsteine.“

„Rauchquarz, leicht angeschliffen, mit scharfen Kanten. Schutzstein. Sonnenaufgeladen. Sagte ich doch. Präventionsmagie.“  





25.1.19


"Dürfen Schüler streiken?"


"Ähm. Dürfen? Der Sinn eines Streikes ist es, sich trotz der Verbote und den anzunehmenden negativen, persönlichen Konsequenzen vehement für etwas einzusetzen, dessen Notwendigkeit bei Weitem diese Konsequenzen und die ihnen zugrunde liegenden Regeln überwiegt. Kurzfassung? Ja."

13.1.19


„Es ist kein Anzeichen von seelischer Gesundheit, an eine zutiefst gestörte Gesellschaft angepasst zu sein.“
Jiddu Krishnamurti

Und doch fühlen sich die meisten Pädagogen, Erzieher, Eltern und ja, auch Therapeuten mit schrecklicher Energie Tag für Tag dazu berufen, die ihnen anvertrauten Menschen passgenau zurecht zu schleifen. Warum? Weil alles andere das kranke System, das letztendlich ihre Daseinsberechtigung zementiert, sprengen würde.

9.1.19


„Immer wieder stellen Staatsanwälte die Verfahren gegen Rechte ein, die andere bedrohen - mit geradezu absurden Begründungen.“

Wenn ich so etwas immer öfters lesen, dann gehe ich mal kurz in den Keller und krame mein Aluhütchen raus und denke mir, entweder hängen die selbst in der rechten Ecke, oder, ja ich guck und lese viele Krimis, die sind irgendwie, und sei es nur auf ganz subtile Art, erpressbar. Andere Erklärungen fallen mir, auch ohne das Hütchen, nicht ein.

8.1.19


Seitdem ich mich mit den neuen Medien beschäftige, und dazu zähle ich auch Handys, habe ich für mich folgende Regeln aufgestellt:

1.     Rede und schreibe so, als würdest du es laut deinem fremden Nachbarn in der vollen U-Bahn erzählen oder mitten auf der Zeil mit einem Megafon stehen. Du weißt nicht wer dir zuhört; du weißt nicht, wie das, was du sendest, bei wem wie ankommt. Du weißt nichts über die Motivationen deiner Zuhörer; du weißt nicht ob sie dir wohlgesonnen sind. Du weißt nicht, was die oder derjenige mit dem was sie von dir hören, anfangen werden.

2.     Sei in dem, was du sagst, wahrhaftig. Damit meine ich, dass du vorher nachgedacht hast und zu dem stehst, was du da kommunizierst. In jeder Situation, vor jedem Menschen.

3.     Dinge, von denen du nicht willst, dass sie irgendwem öffentlich zugänglich sind, kommunizierst du nur in realen Gesprächen und mit realen Personen. Face to face halt.

4.     Manches behält man einfach für sich. Manches ist noch nicht spruchreif, egal ob persönlich privat oder im Öffentlichen. Manches verbleibt schlichtweg im inneren Dialog.  

5.     Lebe dein Leben bewusst und authentisch. Stehe zu dem, wer und was du bist. Mache dich niemals, unter gar keinen Umständen, erpressbar.

Die neuen Medien waren und sind für mich ein wunderbares Werkzeug für reflektierte Kommunikation, Informationsaustausch, Wissenserwerb, Organisation und Logistik von Alltag und Freizeitspaß. Ich möchte sie nicht missen. Und mit den obigen Regeln bin ich bis jetzt sehr gut gefahren.