31.12.13

Ganz persönliche JahresrückblickSplitter, die ich teilen kann, ohne mich zu entblößen. 

Tolle inspirierende Arbeit mit einer Kindergruppe, Team und Eltern. So viel gelernt, so viel gelacht, geweint, geirrt, erkannt, erinnert, geschafft, bekommen und gegeben. Was ein irres Jahr an Erfahrung dort. Über all dem jedoch so viel Dankbarkeit für das Vertrauen, die Geduld, die Zuneigung, die Ernsthaftigkeit, die Freude und die Wahrhaftigkeit, die mir die Kleinen geschenkt haben.

Viele Menschen durfte ich auch in diesem Jahr therapeutisch, beratend, unterstützend begleiten. Jedes Mal aufs Neue berührte mich der uneingeschränkte Vertrauensvorschuss, der mir da entgegen gebracht wurde. Ich habe viel gelernt durch euch! Mehr gibt es darüber nicht zu sagen.

Einige, mir für eine Weile, sehr nahe Menschen, sind in diesem Jahr gegangen. Einige sind geblieben, einige sind neu dazugekommen, einige kreisen irgendwie gerade sehr fern in ihrem eigenen Leben und sind mir doch ganz nah. Manches war traurig, manches machte mich wütend, manches sehr glücklich. Zum Bereuen gab es nix, weder so, noch so. Konkretes dazu gehört jedoch hier nicht hin, sondern nur zu den jeweiligen Personen und mir.

Ach ja, mein Liebesleben, meine Sinnlichkeit, meine Sexualität, Beziehung Gedöns so im Allgemeinen – das schlief in diesem Jahr, weil es noch knabbert, Wunden leckt, erinnert, einordnet und transformiert. Manchmal sehr einsam, manchmal mir selbst genügend. Nix Schlimmes, eher ruhig und gelassen bis vor einigen Wochen, da holte die Wut mich endlich ein und umhüllt mich noch immer. Nicht desto trotz: Alles wird gut!

Überrascht war ich davon, wie ich immer doch wieder den Stress der täglichen Fahrerei wegsteckte. Ich habe noch nie so viele Bücher gelesen wie in den letzten 12 Monaten in Bus und Bahn. Und noch nie so viel gesmaltalkt mit Fremden. Beides hat mich bereichert.

Gesundheitlich ging es mir zeitweise nicht gut. Ein Kampf mit Luft und Herz und dem Zorn über meinen Körper, von dem ich mich ab und an echt verraten gefühlt habe. Da fehlt es mir noch ein bissl an benötigter Gelassenheit für die kommenden Jahrzehnte.

Der Sommer, der Sommer, der war wunderbar. Einen richtigen Märchengarten hatten wir geschaffen, die Spaziergänge mit Pauli und Freundinnen waren so schön und das Ein- und Umrichten des Hauses, das ich immer noch so liebe, hat mich befreit. Und Besuche von Freunden in Haus und Garten waren lustig, anregend und wunderbar belebend. Ich habe mich zum ersten Mal seitdem ich hier wohne zuhause gefühlt. Dazu beigetragen hat sicher auch, dass ich endlich so sein konnte, wie ich bin: Offen und auf die Menschen, die hier im Ort wohnen zugehend. So haben sich neue Freundschaften und Begegnungen ergeben. Ich fühle mich aufgehoben und es hat ja erst begonnen.

Finanziell? Ach. Ich habe immer noch nicht gelernt dem Geld irgendeinen Wert zu geben. Und mich verkaufen kann ich auch noch nicht und das wird in diesem Leben wohl auch nix mehr. So war wieder vieles ehrenamtlich oder unter Preis und Wert. Und immer wenn ich glaubte, dass ich ein bissl was zur Seite legen könne, knallte mir irgendwas absolut Notwendiges fürs Haus oder Familie dazwischen. Immerhin habe ich seit Jahren endlich, trotz WegenSchimmelbefallnotfalleinkäufe gestern, mal wieder mehr als zehn Cent beim Jahreswechsel im Portmonnaie. Unterm Strich, trotz vieler Arbeit, wieder ein Jahr surfend an der Armutsgrenze. Es beunruhigt mich nur mit den Jahren immer weniger. Es ist nur Geld, nix Dramatisches, nix, was mich wirklich ausmacht oder die Seele berührt. Und das ist gut so.

Spannend und aufregend auch die Entwicklungen meines Sohnes, der endlich verstand, dass es sein ganz und gar eigenes Leben ist und er nicht uneingelöste Träume und Ziele seiner Erwachsenen leben muss. Da wurde so Vieles klarer jetzt für ihn und endlich hat er auch ein sportliches Umfeld (MMA) gefunden, in dem er Gefordert und Gefördert wird. Die Leute dort passen zu ihm und passen gegenseitig auf sich auf. Das war keine leichtfertige Entscheidung. Ich bin so stolz auf ihn!  

Der Hammer war und ist natürlich: Ich werde Oma. Meine Tochter trägt noch für drei Wochen die Lina in sich. Das bestimmte mein Denken, mein Herz und mein Tun in den letzten Monaten und jetzt vor der Geburt fast ausschließlich. Alles, alles ist ganz anders, als ich es mir je gewünscht und erträumt hatte. Eine feine Lebenslektion ist das. Was ein Aufruhr, was ein Kämpfen innerhalb der Familie. Welch eine tolle und wunderbare Tochter ich da die ganzen Jahre begleitet habe. Da ist so viel Liebe in mir. Oh, und ich werde noch so viel lernen dürfen in der nächsten Zeit –Gratwanderungen zwischen Fürsorge und Liebe und Abgrenzungen. Das wird soooo spannend.

Ansonsten? Die Welt steht am Abgrund. Die soziale Kälte, Krieg, Totschlag, unsägliche Gräuel, elend und sinnloses Sterben, Gewalt, grenzenlose Gier und die rechten Rattenfänger breiten sich immer weiter aus. Es war sehr schwer für mich diese Jahr meine Liebe, mein Wohlwollen gegenüber dem Menschen als Mensch immer wieder zu finden und daran festzuhalten. Meistens half mir dann nur den Blick vom Großen auf das Kleine zu richten: Denn hier finde ich sie, die Güte, die Hilfsbereitschaft, die Barmherzigkeit, die Freude, die Gemeinschaft ...  jeden Tag aufs Neue. Quelle, meinem Zorn und meiner Traurigkeit eine Stimme zu geben. Wieder und wieder und wieder.


Unterm Strich: es war ein gutes Jahr. Wie alle Jahre vorher. Eben weil es nicht nur ein Spaziergang war, sondern eher ein Abenteuerurlaub mit ständigem Rauf und runter, mit Rückschritten, Verlaufen und Ankommen. Lebendig halt. Und da ist so viel Dankbarkeit in mir. 

Besonders und vor allem danke ich den Menschen, die immer an meiner Seite und in meinem Herzen sind. Die mich aushalten, wenn ich selbst es kaum schaffe mich zu ertragen. Sie sind einfach da und lassen sich durch nix erschüttern. Egal, ob sie real bei mir bzw. um die "Ecke" oder ein bissl weiter entfernt wohnen. Sie sind da.

Das Alles ist Glück. 





Also, das Datum wechselt heute ja nu wirklich. Deshalb: Kommt alle gut durch den Tag, den Abend und die Nacht. Rutscht lieber nicht aus (so oder so oder so ;-) ), aber wenn doch, dann mit Stil und vollem Genuss. Alles Liebe euch Allen! Und ja, damit meine ich wirklich Alle. 



18.11.13

Ich lebte Zeit meines Lebens immer an der Grenze von Armut. Dies bedeutete jedoch nie, dass ich arm an Mut war. Mut, mein Leben eigenverantwortlich zu gestalten; Mut, mir die Schönheit des Lebens nicht durch äußerliche materielle Rahmenbedingungen verhässlichen zu lassen; Mut, mich aus bequemen Schubladen heraus zu winden; Mut, verfügbare Zeit und verschenkendes Wohlwollen mehr zu schätzen als das Anhäufen von Gütern, die ich unterm Strich eh nicht wirklich brauchte; Mut, mir mein Glücklichsein nicht klein reden zu lassen; Mut, mich aktiv  einzubringen, teilzunehmen, mitzugestalten. Arm? Ja, meistens. Mutlos? Niemals! 

9.11.13

Müde, erschöpft und doch völlig aufgedreht. Frau Müller ist außerhalb von sich. Es novembert halt.


M
Manchmal meinen meine
Mich missverstehenden Mitmenschen
Man möge mutig mit mir meckern
Mahnend mit massivem Mittelfinger
Motivierend Meinereiner
Mit milchigem Müsli
Meinen Mund maßlos mästen müssend

Meine Migräne mutiert
Melancholisch
Mist 




19.10.13

Da bringt sich jemand einfach um. Und in mir rast die Traurigkeit und tobt doch auch der Zorn. Verdammt, wenn du bereit bist, alles aufzugeben, dann, ja dann kannst du doch auch alles tun. Ohne Angst und ohne Zensur. Verdammt, ist das so unverständlich?!
Der Tod ist keine Entscheidung, du lebst ihn, seit dem du gezeugt wurdest. Er ist immer da. Begrüßt du das Leben, begrüßt du auch ihn. Begrüßt du ihn, begrüßt du auch das Leben. Also, was soll es. Er ist ein freundlicher Begleiter, denn er lässt dich sein. Lässt dich deine Spielchen spielen und lässt dich deine Entscheidungen treffen, lässt dich alles ausprobieren, auskosten, genießen, erleiden. Ganz wie du willst. Und wenn du magst, dann tanzt er auch mit dir über den Rand, hin und her. Er lehrt dich nur eines: Gelassenheit. Ich fände es blöd, das net auszuprobieren. Warum rennst du einfach weg?

Warum traust du dich nicht

mir alles zu sagen,
direkt ins Gesicht
nach all diesen Jahren,
die wir uns schon kennen?
Du könntest die Dinge
beim Namen nennen.

Warum traust du dich nicht
mich alles zu fragen,
mir ungeschminkt
dein Leid zu klagen,
mir all deinen Schmerz
zu Füßen zu legen,
meine Liebe zu fordern
meine Hand, mein Leben?

Warum wolltest du gehen
ohne Gruß, ohne Wort,
dich heimlich verdrücken,
als sei dies ein Ort,
wo nur die Dunkelheit
herrscht, die dich umfängt
und alle Liebe, alles Licht
sich in Spinnweben fängt?

Warum lässt du feige
alle andren zurück,
die so oft um dich weinten
und mit dir lachten vor Glück?
Die dir wieder und wieder
versuchten zu zeigen:
In dieser Welt ist nicht nur Leiden!



Wie kannst du es wagen
so einfach zu gehen?
Dafür braucht es doch Mut,
kannst du das nicht sehen?
Da ist so viel Kraft, 
so viel Stärke in dir.
Du musst dies nur nutzen,
dich umdrehen, verstehen:
Das Leben ist ein Geschenk
und trotz allem wunderschön!



6.10.13

Ist der Mensch an sich gut oder böse?

Der Mensch ist ... ein Mensch. Seine jeweiligen Gedanken, sein jeweiliges Tun oder Nichttun können gut, böse und alles zwischendrin und gleichzeitig sein. Kommt auf den Standpunkt und die Perspektive an. Die Definition von gut - böse - zwischendrin  ist abhängig von Zeit und Kultur und individueller Gemütslage. Den Menschen an sich mit feststehenden, absoluten, unveränderbaren Eigenschaften gibt es nicht. Es gibt Absprachen, was den Menschen zum Menschen macht. Das reicht von Übereinkünften der Biologie bis hin zu philosophischen Schulen. Alles auch wieder auf einer Zeit- und Kulturschiene. Moral: Der Mensch braucht ein Gegenüber. Damit eine Gemeinschaft funktioniert (wie und wann auch immer) macht es Sinn, sich auf moralische Werte und Normen verbindlich zu einigen und darauf, wie mit einem aktiven Verstoß gegen dieselben von Seiten der Gemeinschaft aus umgegangen wird. Der einzelne Mensch hat nun die Freiheit der Wahl in Bezug auf sein Tun. Die Verantwortung für die Nutzung dieser Freiheit liegt bei ihm.
Das ist übrigens für mich der eigentliche Gedanke, der den allgemeinen Menschenrechten zu Grunde liegt: Jeder Mensch hat die gleichen unveräußerlichen Rechte und eine Würde, unabhängig von seinen jeweiligen wie auch immer bewerteten Taten. Das macht es nicht einfacher, aber es macht es gut für mich.


Und was ist mit den Diktatoren und Kriegsverbrechern?


Oh, ja und den Kinderschänder, das ist ja nun immer der Knackpunkt. Für die Taten gibt es die jeweiligen Strafgesetze, Gerichte und deren kontrollierenden Instanzen. Als Zwischenergebnis meines bisherigen Lebens: Ja, Die Menschenrechte gelten für alle Menschen. Auch wenn ich darob manchmal kotzen könnte. Für mich war entscheidend die Auseinandersetzung mit Folter und der Todesstrafe und was ich in Bezug auf letztere da vor Jahren schrieb, unterschreibe ich heute immer noch: "Auch wenn ich wieder und wieder mit mir ringen muss, so bleibt das Ergebnis doch das Gleiche: Ich bin absolut gegen die Todesstrafe. ... Und auch wenn es sich komisch anhört, nach dem darüber Nachdenken und Ringen gibt mir das Kraft und stärkt mich. Es ist so, als würde ich mich innerlich aufrichten. Da ist dann so ein zornig Nährendes "Und wenn du, Mensch, dich wieder und wieder wie ein Schwein und ein Arschloch und ein Monster verhältst, ich werde auch dann nicht werden wie du!" Das bleibt, und der Blick in den Spiegel liebevoll."
So kann ein Thread aussehen im Fb. Wortspielereien. Achtung, ohne Korrekturen und Zeilenumbrüche *blinzel 


Heidrun Müller: Novemberdepression. Ziehe ich sie vor? Nehme ich sie pünktlich? Oder lass ich sie dieses Jahr ausfallen? *grübel ... Guten Morgen, Ihr Lieben!

DS: wir lassen es ausfallen, denn dieses Jahr haben wir keine Zeit dazu - Guten Morgen meine Liebe- wünsche dir einen schönen Tag
SH: Es ist dieselbe Zeit, in der wir depressiv sind oder gut drauf....
IW: liebe Grüße auch aus Hannover... grau ist es, aber die Sonne im Herzen lacht - gleich geht`s los!
CS:  Ist doch erst Oktober...
UK:  bevor sie zur Novemberaggression wird.... nutze sie, schreibe schöne Bluestexte
BK:  Guten Morgen
Heidrun Müller: Okay, ich verschiebe es erst mal. Mach ich mal Neuberg wach (Musikvideo)
KS:  kenne ich nicht. Im November gibt es oft strahlend blauen Himmel und die Bäume sind dann bunt...das fängt jetzt an.
CS: Hey Karin, sind wir verwandt?
KP: also wer die wahl hat, gut oder schlecht drauf zu sein, der ist nicht depressiv. aber wenn du was tun kannst, um zyklische depressionen zu verhindern, dann mach es. z.b. jetzt schon einen 10er block solarium kaufen. oder eine tageslichtlampe.. noch mal eine dose dorschleber aufessen, damit genug vit. D gespeichert ist (kann nach dem sommer aufgebraucht sein).. und viiiiel lächeln  dann kann der november kommen.. und der jänner auch.
KS:  hallo Christian....keine Ahnung...bewusst nicht.Es ist mein Mädchenname und ich bin in der Nähe von Bremen geboren.Wer weiß wo unsere Vorfahren ihre Gene verteilt haben
CS:  Meine Eltern kommen aus Bremerhaven
KS:  das ist dann in der Nähe.Ich melde mich mal wenn ich meinen Umzugskram hinter mir habe, dann können wir ja mal nach gemeinsamen Wurzeln suchen.Spannend....!
RW: Heidrun, du hast keine Chance: Der Herbst kommt und er wird niemals enden
Heidrun Müller: Dazu fällt mir ein, RW: Was lebt, stirbt. Was stirbt, hat gelebt. Manches was lebt, ist eigentlich schon tot und manches was tot scheint, lebt zappelnd unvermutet noch.
CC: Na dann schaun wir mal, was der November so alles bringt! Ich könnte auch die Sonne gebrauchen.
RW:  Ja Heidrun, alles stirbt, die Natur um uns herum, das sonnige Gemüt. Wir werden es nicht schaffen. Und wenn doch, dann wäre das ein Wunder, ein wirkliches Wunder
Heidrun Müller: Hihi, ne, ich geh der Dame Depression net auf den Leim. Ich geb ihr ein Handküsschen und lass sie ziehen. Der Tod ist Dünger nur und schützt die Samen. Das sonnige Gemüt tanzt ein Tänzchen mit dem bockigen Herrn Winter; glüht doch weinet nicht und schaffen tun wir alles, was wir wollen. Wenn wir es denn wollen
RW:  Aber nein, nimm das um Himmels Willen nicht auf die leichte Schulter. Du hast doch selbst gesagt, dass sie kommen wird. Und dieses Mal bestimmt viel... Mom, da klingelt mein Pharmavertreter mit dem Extasy light. Ich mach dir nen Sonderpreis
Heidrun Müller:  "light" *kreisch Niemals! ... entweder ganz oder gar nicht ... komm wir rauchen den Pharma Dödel in der Pfeife und jagen ihn durchs Nimmerland ... ... ich brauch nen Kaffee. Jetzt gleich.
RW: Du bist viel zu aufgeregt, geradezu hyperaktiv. Immer mehr Erwachsene nehmen jetzt auch Ritalin, wusstest du das? *devil*
Heidrun Müller: Ne, ich nehm kein Ritalin, ich dreh die Musik einfach richtig laut. *diehanddeshufigenverführerssanftbeiseiteschiebend
RW: Komm zumindest eine Handvoll Diazepam, die Nachbarn wollen schließlich ihre Ruhe *lispelndumdieBeineschlängel*
Heidrun Müller: Sei still, sonst bekommst nen Apfelkompott und wirst enthäutet *drohendmitdergenesisschwenkendimkrerishüpfend
RW: Oh, Aggressionsschübe? mal sehen, ob wir etwas sedierendes haben *inderPillenschubladekram*
Heidrun Müller:  tsst ...da nimmt man doch nix Pilliges ... Sack übern Kopp, orangenen Anzug an und nieder knien ... ... ... ... gib mir ne dunkle Zigarette und nen Glenfiddich Janet Sheed Roberts Reserve (wir machen es heute günstig) und dann lass uns den Nebeln lauschen *verträumtdemsummendesdampfkochtopfeslauschend
RW: Nein, nein, heutzutage sperrt man die Irren nicht mehr in die Gummizelle... ein paar Spritzen und du bis wie neugeboren. Oder zumindest hältst du dann still. *devil*
Heidrun Müller: Squash in ner Gummizelle ... dagegen sind Spritzen ein Eichhörnchenlauf mit Alabastersöckchen ... *verwirrtnachdemSchlägersuchend
IO: ich schick dir dann traubengelee, bioanbau handgepflückt gekocht gepresst geliert und alles wird gut!
Heidrun Müller:  geliert ...hach, Weib ...geliert *augenrollendniedersinkend
Heidrun Müller:  jesses, ich hab Taubengelee gelesen .. jesses .. es klingelt ... die Veganer ... alle untern Tisch *kreisch
IO: geliert grad im topf, jepp! bissl dauerts noch bis zum gläserfüllen...
IO:  naaa aus tauben mach ich suppe!
Heidrun Müller: Sie! Suppt! .... *kicher ... des glaub ich nie und nimmer
RW: Früher hat man die Tauben auf dem Marktplatz vergiftet. Gut, dass es heute Hörgeräte gibt.
IO:  RW: das war aufgelegt trotz herbst: (MusikvideoTaubenvergiften - Georg Kreisler)
Heidrun Müller: Herrschaften! Und Damenschaften! Wir reißen uns jetzt zusammen. Drehen die Hörgeräte runter, damit das Kreischen der tölpelden Tauben die Gondolierie nicht verstört, sonst sinken wir nämlich gemeinsam und San Marco, der knüppeldicke Held der Helden klagt uns der Verschmutzung seines Badetümpels an Da! kommen wir nie wieder raus! *ernstundklugscheisserndguckend
IO: sie hat eh nur ein hemdl gesuppt und ka taube..
Heidrun Müller:  die Wiener und ihr Schmäh ... *schmelz  (Musikvideo Arik Brauer - Die wilde Sau geht um)
RW: Irene: Heidrun hat wieder eine Aufgabe. Sie interessiert sich wieder. Das ist gut *tuschel*
Heidrun Müller: Ich supp, dideldum, ich supp und dreh mich rum ... da steht der Heinzel, man der keift, bis ich ihn in den Kochtop schleif ...dideldidum ... ...
RW: *BesorgschauundHandyzück*
Heidrun Müller: Lass stecken, damit kommen die net klar. Da wär das mit der Depression einfacher gewesen. Für die, natürlich. *mitdenSchubladenverführerichklimpernd
RW: 'Frau Müller, ein paar Monate alle Sorgen los sein, wäre das nicht schöön?'
Heidrun Müller: Sorgen? Welche Sorgen? ... Ach ja, da war ja was ... der Herbst ... der Winter ... ... ... ... *inmichgehendimKreisedenkendschreitend .... Also gut, machen wir uns nix vor: ich fick die Schneekönigin und Kai und Gerda gebären den Frühling. Mein Wort drauf. *schwör
RW: Und das machst du alles ohne was zu nehmen? *staun*
Heidrun Müller: Ich nehm nix, ich geb und geb und geb ...daaaas is ne Droge. Wow!!!
Heidrun Müller: *anmerk .. freies Assoziieren ist eines der geilsten und Energie spendensten Spiele, die ich kenne ... in ner Gruppe, nächtelang, mit hohen Tempo .... kein Nachdenken, kein Zögern, keine Zensur ... alles abgreifen was so im Hirn rumfliegt .... das is wie ein Turbowaschgang *kicher ... Ich sollte mal so ein Wochenende initiieren
RW: Wochenend und Sonnenschein und dann mit dir im Wald allein, witer brauch ich nichts zum Glücklichsein...
Heidrun Müller: Siehste, damit hat sich die Dame Depression nun endgültig verabschiedet *derLerchemaldasköpfchentätschel
IO: die dame depression lacht und schüttelt ihre löckchen, weil der november kommt bestimmt..
MS: Wenn bei einem Auto die Batterien leer werden funkt es auch nicht mehr. Und was hat das Auto darum? Richtig ... ne Lichtmaschine als Generator und ne Batterie als Speicher.Und warum paßt diese Metapher auch auf Menschen..... ;o))) Ich für mich sorge immer vor damit ich immer was (zu tun) habe was mich begeistert. Dann ist mir alles andere sowieso ziemlich gleichgültig.
Heidrun Müller:  Irene, und dann legen wir ihr den dicken Teppich aus, zünden die Kerzen an, tröpfeln Duftflöckchen ins Wasser, legen die Beine hoch, die Decken um sie und uns, nippen am Wein und lauschen der Vorleserin
IO: mit dem wein füllen wir sie ab bis sie auf dem tisch tanzt
Heidrun Müller: und das Kaminfeuer lodert höher und höher und die Dame auf dem Tisch schmilzt, sich selbst belächelnd, unter unserem liebevollen Gekicher in sich zusammen ... Den übrig gebliebenen Klecks von ihr verbuddeln wir dann feierlich unterm Zwetschgenbaum, damit sie uns im nächsten Herbst erneut beschenken und besuchen kann
IO: ok! einen zwetschkenröster schick ich dir auch mit ..
MS: hihihi so ne (online) Wunschliste was wer gerne hätte fände ich putzig ... dann könnte weitab von Weihnachten & Co. so allerhand hin und her wandern ..... damit es anspruchsvoller fürs Ego ist natürlich anonym verschickt ;o) Watt denkt ihr?
Heidrun Müller: Das! ist eine feine Idee!
Heidrun Müller: so ne Gruppe "beschenk dich" .... oder "Schenk dich reich" ...... wo jeder seine Wünsche, oder was gebraucht wird reinschreiben kann ... und wer es hat, schickt es einfach hin ... anonym ... natürlich muss der erfüllte Wunsch dann raus, sonst erstickt jemand z.B. an Kochtöpfen oder Zierdeckchen *denk
IO: zierdeckchen juhuu!
Heidrun Müller: Allerdings müßte dann ja auch die Postanschrift angegeben werden ... weil nachfragen kommt blöd, dann wäre es ja nicht mehr anonym ...wie könnt man das lösen?
Heidrun Müller: einfach so: wer nen Wunsch setzt gibt auch ne Postanschrift an ... in Zeiten von Datenklau etc. ist das doch eh egal, oder? Also, ich hätte damit kein Problem ... aber, es wäre eine feine Idee überhaupt!
MS: Ich mach mir mal für die weniger mutigen ein paar Gedanken über eine Anonymisierung......Jetzt werd ich erstmal bekocht ....
Heidrun Müller: JA! Mach dir Gedanken, Schamane. Das könnt richtig gut werden. Guten Appetit!
UL:  *wow, ihr kommt ja sehr gut voran!  von der Depression, übers ficken zum anonymen Beschenken!  *positiv, sehr positiv muss ich schon sagen... *hihi
Heidrun Müller: das ist kreativ ... was für ein Potential, ja ...*freustrahlhüpf
UL:  nun gut, kommen wir zur praxisbewältigung  *lach  du fickst die schneekönigin, hast du geschworen *vormerk und brille auf der nase zurecht schieb  ich freu mich auf den winter *lach!
Heidrun Müller: Unter all diesen tollen Gedankensprüngen ist das Weib natürlich genau daran hängen geblieben. Was sagt uns das? ... Vulgär bzw. direkt ausgedrückt: Unterfickt, eindeutig unterfickt.
Heidrun Müller: *ähm ... FB ... bevor du mich jetzt sperrst -> ich darf das böse Wort benutzen, denn ich bin Sexualtherapeutin ... ist quasi mein Berufsvokabular/Fachsprache *blinzel
UL: *öhhm 'unterfickt' würde ich es nicht nennen... eher immer so komplizierte schneeköniginnen mit depressionen und so
UL: womit wir wieder beim anfang wären, sorry frau sexualtherapeutin, was machen wir denn nun!? *ficken!?
Heidrun Müller : Übersprungshandlung: Ich geh mit Pauli jetzt Felder hopsen.
UL:  haha, ok mach ma, det is ja nix neues *kicher und viel spaß
IO: na dann deponier ich mal einen wunsch: schickts mir an mann aber an gscheiten, eh schon wissen wofür!
Heidrun Müller: oh jeh ... "gescheiten" ..da scheiten sich jedoch die Geister ... ich denk mal draußen drüber nach
IO: viel spass!
Heidrun Müller: "Wunschdepo" wäre auch ein guter Name für so eine Seite *denk
Heidrun Müller: So jetzt weg ...Danke euch alle für diesen ausgesprochen anregenden Wörtertausch. *sichverneigend
UL:  Na immerhin ist "Wunschdepo" schon mal besser als "Wunschdepri"!  ich geh jetzt auch mal Gassi mit meinem Staubsauger...

BB:  Die SZ hab' ich jetzt beiseite gelegt - diese linguistische Qualität Eures obigen chats schafft kein Journalist - Danke für diesen Start in den Tag - genial!

3.10.13

Was mich richtig abnervt ist nicht nur diese „Ist mir doch egal“ Haltung, die grassierend um sich greift, sonder viel mehr dieses keine eigene Position beziehen mit der Haltung alá „Jeder soll/kann/darf doch nach seiner Fasson...“. Das klingt auf den ersten Blick so schön tolerant, beendet jedoch jeden weiteren Disput und vor allem! braucht es keine eigene Meinung, keinen Standpunkt, den man halten, begründen, überprüfen, mit dem man sich reiben und den man vielleicht verändern können müsste. Das ist so langweilig. Und auf irgendeine Art und Weise auch so scheinheilig. Da wird das eintönige Mittelmaß so richtig zementiert. Ich weiß nicht, ob ich mich gerade verständlich machen kann: Ich mag lieber Gegenübers mit einer eigenen Meinung und Standpunkten, denn da kann ich mich auseinandersetzen, lernen, die eigene Haltung durchs Fegefeuer der Argumentationen jagen, überprüfen, mir selbst klarer werden. Bereichernd.

1.10.13

Du meinst also, es hätte doch gar keinen Sinn irgendwas zu tun, denn du seiest ja so klein, winzig, alleine, machtlos? Wie solltest du da schon etwas ändern oder bewirken können? Ähm, hättest du das bitte auch mal der blöden Stechfliege heute Nacht sagen können? Die schien da nämlich sehr erfolgreich ganz anderer Meinung zu sein. *blinzel
"Ich lebe schon mein Leben lang entlang der Armutsgrenze. Meine bewusste Entscheidung, jedes Mal wieder. Denn ich bin reich und besitze teilend:  Zeit, Achtsamkeit, Wohlwollen."

Das wichtige Stichwort dabei ist "Entscheidung". Dies meint, ich hatte/habe jedes Mal eine Wahl. Die Voraussetzungen für diese Wahl sind unter anderem gute Ausbildungen; klare Vorstellungen über das was ich kann und nicht kann; ein Wissen darum, was ich will und was nicht; ein grundlegendes Vertrauen, aus Erfahrungen geboren, dass ich immer den Job bekomme werde, denn ich möchte; minimalistische Vorstellungen davon, was ich an Konsumgütern wirklich brauche. Dies privilegiert mich und dafür bin ich dankbar. Viele Menschen (und es werden immer mehr!) haben diese Wahl eben nicht, sondern sind der Armut ausgeliefert und ihr Entscheidungsspielraum ist minimal bzw. tendiert in der Regel gegen Null.


Trotzdem gilt auch und gerade dann: Ungewollte Armut ist so vieles, meistens Schreckliches - aber sie ist niemals eine Rechtfertigung für die Abgabe von Eigenverantwortlichkeit.

22.9.13

Beziehungsgedöns -> im Idealfall: zwei selbstbewusste Egoisten verschränken ihre Leben miteinander, weil es da eine Schnittmenge gibt, in denen sie sich selbst und den anderen / die andere wieder finden. Um diese Schnittmenge überhaupt bemerken zu können, erscheint es mir sinnvoll erst einmal zu verstehen, was ich denn eigentlich will. Ich bleibe da ganz bei mir und halte den vorwurfsvoll kreischenden Aufschrei „Da geht es ja nur um dich!“ aus und denke mir „Ja um wen denn sonst?“ ->

Ich will mich sicher fühlen. Bevor ich Dir meine Welten zeigen kann, muss ich Gründe haben Dir zu vertrauen.Ich muss wissen, dass Du mich, so wie ich bin, wahrnehmen kannst und akzeptierst. Ich werde viel für Dich sein während unsere Beziehung wächst. Doch ich bin nicht nur Freundin, Geliebte und Liebende und ich bin dies alles und mehr auch nicht nur und ausschließlich für Dich. Ich muss wissen, dass Du mich als Person mit all meinen Widersprüchen annehmen und aushalten kannst. 

Ich will meine Grenzen erweitern. Ich muss wachsen und ich brauche Herausforderungen. Manchmal möchte ich ermutigt werden um über meine Grenzen zu gehen. Ich brauche Deine Achtsamkeit, Deine Reaktionen, Deine Ansagen, Deine Rückmeldungen um meine, Deine, unsere Grenzen zu erweitern.

Ich will lernen. Mein Geist ist hungrig nach neuen Dingen und das Lernen hilft mir zu dem zu werden, zu dem ich fähig bin. Zeig mir Deine Welten, lass mich durch Dich neue Sichtweisen und Positionen einnehmen. Sei Futter für meinen Geist und meine Seele.

Ich will Deine Zustimmung und Deine Kritik. Ich muss wissen,  ob Du mit dem, was ich denke oder tue einverstanden bist oder nicht. Ich muss wissen, dass Du zu mir gehörst, auch wenn ich irre oder Fehler mache. 

Ich will Deine Achtsamkeit, auch wenn ich einmal versagt habe. Erlaube mir meine Gefühle gemeinsam mit Dir zu sortieren, bevor Du mir die Tränen vom Gesicht wischst.

Ich will auch die Gebende sein dürfen. Ich habe, obwohl ich mit Genuss nehme, auch ein tiefes Bedürfnis zu geben und brauche ein Ventil für dieses Bedürfnis. Es entspricht meiner Natur und ist Quelle meiner Sinnlichkeit und meines Seins. Ich will spüren, dass Du meine Demut niemals nur als Schwäche und meine Dominanz niemals nur als Stärke auslegen wirst.

Ich will Dein Vertrauen. Vertraue mir so, dass Du Deine Ängste, Fehler und Unsicherheiten mit mir teilen kannst. Diese Stärke und Fähigkeit wird Dich für mich einzigartig und unverwechselbar einmalig sein lassen.

Ich will Deine Aufrichtigkeit. In einer Welt des Scheins, der Lügen und der Selbstverleugnung will ich die Gewissheit, dass Deine Worte, Deine Gedanken, Deine Gefühle in Deiner Welt für Dich wahrhaftig sind. Immer und in jeder Situation. Dies, und nur dies, gibt mir die Ruhe und die Sicherheit für mein Bleiben und mein Gehen, für mein Halten und für mein Loslassen.

Ich will Dein Lachen, damit mein Lachen sich entfalten und uns umfangen kann.


Ich will, dass Du dies alles auch für Dich willst und dass aus dem Ringen unserer beiden Wollen ein gemeinsames WirWollen wird.


20.9.13

Ach, was soll ich dazu denn schreiben? Alles dazu gesagt, alles hundert tausendmal aufgezeigt, beschworen, durchgekaut, hinterlegt, aufgezeigt, gefordert, dokumentiert, betont, heraus geschrien, geflüstert, beworben, gekämpft dafür ... so kleine Schritte ... aber immer wieder ... überall auf der Welt. Kinder - unsere Zukunft -> immer noch vernachlässigt, bedroht, ausgebeutet, vergewaltigt, verkauft, ermordet ... aber auch - und dieses Aber ist kein Kleines - geliebt, begleitet, beschützt, umsorgt. Nicht aufgeben!




16.9.13

Lina hat sich heute eindeutig und eindrucksvoll im Ultraschall zu erkennen gegeben.

14.9.13



„Und für welchen Fischer stimmst du, fragte die Sardine den Hering.“
(Manfred Hinrich)

Wählen gehen können war und ist für mich keine Selbstverständlichkeit. Ich bin aufgewachsen mit dem weiter gegebenen Wissen um die Hintergründe des Wahlrechts, auch und insbesondere für Frauen. Ins Wahllokal ging ich immer auch mit den Gedanken und Bildern zur Geschichte dieses Rechtes. Habe mich gut gefühlt, verbunden mit den Menschen, die für dieses, mein Recht, gekämpft haben. Diese Freude und diesen Stolz habe ich auch versucht an meine Kinder weiter zu geben und habe sie von klein auf immer mitgeschleppt und ihnen erzählt von all dem Ringen und Sterben, von der Verfolgung und den Siegen.


Aber nun, mit den Jahren, da weiß ich nicht mehr, was ich wählen soll und doch denke ich immer noch, dass NichtWählen ein Unding ist und überhaupt nicht geht. Ein ScheißDilemma, das mich zwischen Zorn und Hilflosigkeit hin und her schwanken lässt. Wähl ich nicht, dann fühlt sich das wie ein Verrat an all dem an, woran ich glaube und womit ich aufgewachsen bin: Freie und allgemeine Wahlen als ein Menschenrecht wofür so viele Menschen ihr Leben gaben und heute noch geben. Gehe ich wählen und wähle eine von den Parteien, die ich alle für machtgeil und verlogen halte, dann unterstütze ich weiter deren System, das ich inhaltlich doch total ablehne. Ich weiß es nicht, ich weiß es einfach nicht. Ich könnt kotzen.


8.9.13

Sonntägliche Gedankensplitter zum Thema „Emotionale Gewalt“

„Kinder sind kein Partnerersatz. Sie können Deine Einsamkeit, Deine Sinnlosigkeit, deine Unfähigkeit zu einer partnerschaftlichen Liebe niemals auflösen.“

Emotionaler Missbrauch durch die Eltern/erwachsene Bezugspersonen gräbt sich tief in die eigene Seele ein und lässt sich nur schwer entwurschteln. Manche Menschen tragen diese Bürde ihr ganzes Leben lang mit sich herum und geben die zugrunde liegenden Muster in vielen Fällen an ihre eigenen Kinder weiter.
Emotionaler Missbrauch hat oft ein fürsorgliches, liebevolles äußeres Gesicht. Versteckt sich hinter einem „Ich tue alles für dich.“ und „Ich will doch nur dein Bestes!“ und, eines der stärksten Geschütze, „Was habe ich nicht alles für dich getan!“ Und doch steckt dahinter immer auch die unausgesprochene Botschaft: „Sei dankbar!“, „Sei brav!“ und „Sei so, wie ich es will und brauche!“. Ansonsten droht Liebesentzug oder gar Bestrafung.

Die natürliche Reaktion auf emotionalen Missbrauch wäre der Zorn. Doch der ist verboten: Durch die Eltern, das soziale Umfeld, durch sich selbst. Es bleiben die Angst und das Schuldgefühl und diese weben ein festes Netz um jedes mögliche „Nein“, um jeden Gedanken an Unabhängigkeit, um jeden Schritt in das eigene, selbstbestimmte Leben.



Emotionaler Missbrauch – eines der Themen, mit dem sich unsere Gesellschaft sehr schwer tut. Der Gral der „heiligen Familie“ als Hort von Fürsorge und Geborgenheit zerbröselt auf der einen Seite und bildet auf der anderen Seite immer noch den undurchdringlichen Schutzwall und Deckmantel für emotionale Gewalt gegen Kinder.

Emotionaler Missbrauch -  emotionale Gewalt – psychische Gewalt – seelische Gewalt findet in der Regel in geschlossenen Systemen statt -> Familie, Heime, Internate und ähnlichen Institutionen. Er ist, anders als die körperliche Gewalt, schwer nachweisbar und die Dunkelziffer ist hoch.

Zu den Formen der emotionalen Gewalt gehören unter anderem: Liebesentzug, Abwertung, Demütigung, Drohung, Verunsicherung, Isolierung, Manipulation, Diskrepanz zwischen Inhalts- und Bedeutungsebene von Aus/Ansagen, Terror.

Die Folgen (Traumatisierung) davon sind unter anderem: permanente Verunsicherung, Angst, mangelndes Selbstbewusstsein, niedriger Selbstwert, unangemessene Angepasstheit, verschobene Selbst- und Fremdwahrnehmung, vorauseilender Gehorsam, Panikattacken, Misstrauen, Verlustängste, Bindungsunfähigkeiten, Autoritätsgläubigkeit, Spaltung der Persönlichkeit, kein (Selbst) Vertrauen, Dissoziative Identitätsstörung, sich selbst oder andere verletzendes Verhalten... ... .

Emotionaler Missbrauch versteckt sich gerne hinter den Glaubenssätzen einer starren Pädagogik/überlieferten und unreflektierten Erziehungsidealen, die das Wohl des jeweils einzelnen, einzigartigen Kindes als zentralen Fokus nicht oder nicht mehr auf dem Bildschirm haben.


Was tun? Sensibilisierung und Reflexion sind angesagt, auch und gerade bei sich selbst und im eigenen Umfeld. Und den Mund auf machen. Laut und deutlich benennen. Den seelisch Missbrauchten eine Stimme und eine Hand geben. Denn es gibt ein Schweigen, das lügt, verletzt und tötet.

7.9.13

Rattenfänger, die verlogenen, sind wieder unterwegs. Rattenfänger mit dem freundlichen Gesicht. Sie reden von Frieden für dich und dich und meinen doch nur die eigene Gier und neue Gewinne für sich. Merkt Ihr es nicht?!

Sie ballern uns zu mit ihrem Geschwätz; reden uns dumm mit ihrem Gehetz. Sie labbern von Mitgefühl und Recht und kraulen doch nur ihr eigenes Gemächt. ... Boah, ist mir schlecht.

31.8.13

Manchmal, ja manchmal steh ich nur da mit staunendem Herzen und denke: "Jesses, das ist mein Sohn!" und dann ziehen Bilder und Erinnerungen durch meinen Kopf und alles fühlt sich so rund und stimmig an. Das Innen, wie das Außen. Und es durchströmt mich eine grenzenlose Dankbarkeit.

Und dann werfen mir Leuts so Sätze hin wie "Kampfsportler. Musste das denn sein?" und ich denke daran, wie ich den kleinen Jungen auf dem Arm hatte und dachte: Kämpfen muss er können, damit er sich immer wieder im Leben frei entscheiden kann, dass er nicht kämpfen muss. ... Und genau so ist es. Er muss sich nicht streiten, kämpfen, schlagen. Muss sich gar nix mehr beweisen. Das macht ihn zu einem liebevollen und sanften Menschen Und das ist gut. Einfach nur gut.


24.8.13

Die Theorie des „Inneren Kindes“ ist mal wieder eine sehr beliebte. Sie verkauft sich ausgesprochen gut. Auch ich denke, dass das Konzept des "Inneren Kindes" ein sehr hilfreiches Konstrukt für viele psychische Fragestellung ist. Zumindest am Anfang. Nur denke ich eben auch, dass es nur ein Puzzelteil ist. Mehr nicht. Es langt meiner Erfahrung nach nicht, nur das Kind in uns anzunehmen und zu umarmen. Vielmehr fehlt danach der Schritt, dem Kind liebevoll  klar zu machen, dass es heute Dinge/Situationen/Kontexte/Problemstellungen gibt, die zu der erwachsenen Frau/dem erwachsenen Mann gehören und das diese dann mit erwachsenen Lösungspotentialen anzugehen sind. Das Kind und die kindlichen Lösungskompetenzen gehören da nicht hin. Dieser Schritt wird gerne übersehen, weil es von dem Erwachsenen Eigenverantwortung für das Hier und Jetzt verlangt. Es ist kuscheliger beim Inneren Kind zu verharren. Und auch bequemer (und finanziell lohnender) für den jeweiligen "Therapeuten". Da bekomm ich die Krätz von. 

18.8.13

„Als neulich Schnee lag und meine Nachbarskinder ihre kleinen Schlitten auf der Straße ausprobieren wollten, sogleich war ein Polizeidiener nahe, und ich sah die armen Dingerchen fliehen, so schnell sie konnten. Jetzt, wo die Frühlingssonne sie aus den Häusern lockt und sie mit Ihresgleichen vor ihren Türen gerne ein Spielchen machten, sehe ich sie immer geniert, als wären sie nicht sicher und als fürchteten sie das Herannahen irgendeines polizeilichen Machthabers. Es darf kein Bube mit der Peitsche knallen oder singen oder rufen, sogleich ist die Polizei da, es ihm zu verbieten. Es geht bei uns alles dahin, die liebe Jugend frühzeitig zahm zu machen und alle Natur, alle Originalität und alle Wildheit auszutreiben, so dass am Ende nichts übrigbleibt als der Philister.“ (Goethe)




Ich arbeite seit Jahren sehr viel mit Kindern im Vor- und Grundschulbereich, verbunden mit einer intensiven Elternarbeit. Diese kleinen Wesen sind offen, kreativ, lebendig, aufsässig, fragend, neugierig bis zum Anschlag, hoch motiviert und motivierbar.

Dann treffe ich sie in der Regel in der siebten/achten Klasse wieder (intensive Elternarbeit kann dann oft nur noch durch eine recht provozierende Einladung von mir initiiert werden). Aus den quicklebendigen Wesen sind oft "coole", desinteressierte, abgenervte, gelangweilte, desillusionierte, aggressive, unglückliche junge Menschen geworden. Was könnten mögliche Gründe dafür sein? Was ist schief gelaufen in der Zwischenzeit?

Sicherlich, die Pubertät tobt durch Körper und Gemüt. Ein sehr beliebtes Argument der Erwachsenen. Oder die neuen Medien sind Schuld dran. Die Beteiligung an Elternabenden nimmt rapide an Quantität und Lautstärke zu, wenn dieses wunderbar entlastende Argument in den Raum kullert. Ich glaube und traue all diesen und anderen so einseitig Schuld, oder besser Verantwortung, zuschreibenden Erklärungen nicht. Sie mögen ihren Anteil haben, sicher.

Aber, und dieses Aber ist ein dickes, ist es nicht vielmehr auch so, dass die fragenden, neugierigen, vertrauensvollen Kinder von damals inzwischen klug genug sind unsere Erwachsenen Spiele, unsere Inkonsequenzen, unsere Lügen, unsere gelebten und verdrängten Widersprüche zu durchschauen? Haben sie uns inzwischen nicht gemessen an den Ansprüchen und Werten, die wir ihnen vor Jahren so wunderschön abends vor dem Einschlafen über Geschichten und Märchen und in Gesprächen vermittelten? Müssen sie nicht unendlich verwirrt und enttäuscht sein, wenn sie feststellen: Wir sind nicht was wir sagen und die Welt ist es schon gar nicht.

Haben wir ihnen Handlungsmuster an die Hand gegeben, mit denen sie mit diesen Widersprüchlichkeiten umgehen zu können gelernt haben? Sind wir Vorbilder in Selbstkritik, Reflexion, Zivilcourage? Haben sie von uns, durch unser Handeln, Wohlwollen, Mitgefühl, Liebe gelernt? Haben sie außer Regeln und Pflichten auch gelernt, dass man manchmal die Konsequenzen von Regelbrüchen bewusst in Kauf nehmen muss, einfach weil es das wert ist und dass man neben Pflichten, gleichwertig, auch Rechte hat? Haben sie erfahren, dass wir da sind, wenn sie uns brauchen - ich meine real da, nicht nur am Telefon, über den Messenger oder nach Terminkalender? Haben sie erlebt, dass es unsere Aufgabe ist, uns zu kümmern und zu sorgen und zwar ohne jeden Anspruch auf Gegenleistung?

Haben wir ihnen oft genug gesagt, dass sie gewollt und geliebt sind, ohne Wenn und Abers? Lassen wir los, wenn Lossagen angesagt ist und legen wir unsere Arme zärtlich und schützend ohne zu erdrücken um sie, wenn sie straucheln?

Oh ja, ich könnte so weiter und weiter schreiben. Nein, es gibt bestimmt keine eindimensionalen Erklärungen und die Verantwortlichkeiten sind vielschichtig verteilt. Nur werde ich traurig und immer öfter wütend, wenn ich die Sprüche von der schrecklichen heutigen Jugend und all dem höre. Da ist nichts Schreckliches. Da ist nur solch eine brennende Sehnsucht, schmerzende Einsamkeit, solch eine abgrundtiefe Hoffnungs- und Hilflosigkeit und nicht mal ein Hauch von Lösungskompetenz bei so vielen.


Und nein, ich entschuldige damit gar nichts und wiegle auch nicht ab. Kriminelle Jugendliche gehören auf den heißen Stuhl und haben die Konsequenzen ihres Verhaltens zu tragen. Nur, sollten wir nicht einen klitzekleinen Augenblick innehalten und uns fragen: Wenn wir nicht rückgängig machen können, sollten wir dann nicht jetzt und sofort bei nachfolgenden Generation anders?
Im Januar 2013 werde ich, wenn alles gut geht, Oma. Mehr kann ich dazu jetzt noch nicht denken, sagen, schreiben. 



16.8.13

Hammerhart -> "Das Internationale Olympische Komitee (IOC) droht an, Sportler von den Spielen auszuschließen, die während der Winterspiele in Sotschi im Februar 2014 für die Rechte Homosexueller demonstrieren."
Ach, du bist nicht schwul, lesbisch, transsexuell oder bi? Hat mit dir also gar nix zu tun? Mensch, du darfst ja jetzt nicht mal mehr sagen, dass du nix gegen Menschen mit solchen sexuellen Orientierungen hast! Du darfst ja nicht mal mehr laut tolerieren oder gar akzeptieren! Solidarität? Ne! Menschenrechte? Ne! Darfst du nicht mal denken und sagen und tun schon gar nicht..
Aber ja doch, Olympische Spiele, klar, daran nehmen wir teil und die darfst du dir ruhig weiter angucken, keine Sorge.


Kalt. So kalt.


14.8.13

Die sagen, wir hätten ne Krise. Die sagen, Sie wäre vorbei. Die sagen, wir haben ne Rezession. Die sagen, die Rezession ist vorbei. Die sagen, es geht uns schlecht. Die sagen, es geht uns gut. Die sagen, wir müssen sparen. Die sagen, wir müssen dies und das kaufen oder bauen. Die sagen, die Löhne dürfen nicht steigen. Die sagen, die Gewinne und Einnahmen steigen wie noch nie. Die sagen, die sagen, die sagen ... Manchmal widersprechen sich die Meldungen täglich, manchmal stündlich und manchmal kommen die direkt hinter einander. ... Eigentlich ist es mir scheißegal, was die sagen. Ich guck mir meine Lebensituation an, mein Umfeld, meine Familie und meine Freunde. Und dann sage ich, ob es mir gut geht oder nicht. Mir vertraue ich nämlich.

8.8.13

„Schreib doch mal was Positives! Berichte doch mal über das, was klappt, was gut und schön ist! Oder darüber, wie es sein könnte. Erzähl doch mal von dem, für das sich all der Aufwand, der Verzicht, die Qual, das Sterben und das Leben lohnen!“

Stimmt. Es brennt und schmerzt, verseucht und tötet an allen Ecken der Welt und in unserer Gesellschaft. Bei der täglichen Medienschau ist es kaum möglich mal eine erfreuliche Meldung zu finden. Ist wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen.

Das macht was. Mit den Menschen und mit mir. Doch bevor ich im Zorn verglühe, in Traurigkeit ertrinke, der Schmerz der Welt mich in den Wahnsinn treibt oder die Hoffnungslosigkeit mich gänzlich lähmt und ich im Zynismus taumelnd schwelge,  hilft mir immer eines: Ich dreh das Fernglas um und schau auf das Kleine, das dann auf einmal groß und mir ganz nah ist. Da sehe ich Nachbarschaftshilfe, praktische Solidarität, aktive Anteilnahme; sehe wie man zurück steckt, damit es dem Anderen ein klitzekleinwenig besser geht. Da ist so viel Mut und Stärke, soviel gemeinsamer Überlebenswille und Überlebensfähigkeit. Davon zu erzählen und zu berichten ermutigt und stärkt.

Da findet sich, unter all dem Lebenskampf und der trotzigen Lebensfreude, diese Sehnsucht nach einer besseren Welt. Da sind Träume und Ziele, Utopien und ganz konkrete Vorstellungen, von dem, wie es sein sollte und könnte. Dieses in Worte zu fassen, in Bildern zu malen, in Tönen einen Ausdruck zu geben – das macht es leichter. Für! etwas sein, dem Dafür eine Gestalt geben, auch und gerade in den kleinen Dingen, so dass es wächst und gedeiht in den Köpfen und Herzen der Menschen, so sehr, dass man bereit ist, für das Dafür gemeinsam zu kämpfen. Das ist eine feine Haltung und sie ist ansteckend.


Doch sie ist nicht nur ansteckend, sondern genau in dem „Dafür“ trennt sich die Spreu vom Weizen. Gerade in diesen Zeiten treffe ich beim „Dagegen“ immer wieder und immer öfter auf Menschen, mit denen ich im Dagegen sehr wohl einer Meinung bin, in dem Dafür jedoch entsetzt zurück schrecke. Rattenfänger sind unterwegs. Das hat mich in letzter Zeit sehr verwirrt und irritiert. Erst als ich den Blick wieder für das Dafür schärfte, bekam ich mich selbst wieder klar und weiß, wo ich mich wie laut und deutlich abzugrenzen habe.  



1.8.13


„Verdächtig war, dass nichts verdächtig war.“

Viele Menschen in meinem Umfeld denken sich: „Was hat NSA, Prism, XKeyscore mit mir zu tun? Nix, oder? Ich bin kein Terrorist, kein Mafiaboss, kein Krimineller. Klar, ich hab eigene Meinungen, Ideen, krude Ansichten ob dies und das vielleicht – aber ansonsten geh ich Brötchen holen, lese Krimis, gehe meiner Erwerbsarbeit nach, habe ab und an Beziehungsstress, mähe den Rasen und feg den Bürgersteig. Bin also ein völlig normaler Durchschnittsbürger. Warum sollte sich irgendjemand für mich interessieren?“

Ja, warum bloß ...   Puzzelteile zum Einstieg ->




Ja, ich persönlich empfinde dieses Thema von der Materie her genauso schwierig zu verstehen wie die ganze EU-Banken-Rettungsgeschichte. Es überfordert mich. Und doch habe ich das Gefühl, dass ich es nicht einfach beiseitelegen kann. Weil es mich betrifft, direkt und unmittelbar. Es verändert meine Welt und die Welt meiner Kinder und Kindeskinder. Ich möchte es zumindest in Ansätzen verstehen und weiter geben können. Ein „Ich habe von nix gewusst.“ geht einfach nicht mehr. Also tue ich mein Bestes und schmeiß die Gehirnwindungen an und arbeite mich ein. Damit ich zumindest die richtigen Fragen stellen kann.

26.7.13


Es gibt so Sätze, wenn ich über die nachdenke, dann bekomme ich Knoten im Gehirn und doch werden sie einem immer wieder als die Erkenntnis überhaupt vor die Füße geknallt: "Sei, wie du bist!" ; "Ich bin so, wie ich bin."; "Sei du selbst!"; "Ich bin, wie ich bin, und das ist gut so."; etc.; etc.; -> Wer bin ich denn? Tausend sich widersprechende Puzzleteile; Teile davon kaum aushaltbar, weder für mich noch für meine Gegenübers. Was ist mit sozialer Kompatibilität? Was ist mit Selbstkontrolle durch innere Werte und Instanzen? Was ist mit Entwicklung und auf dem Weg sein? Was ist mit Kommunikation und Reflexion? Was mit all den bisher unentdeckten und ungelösten Teilen von mir? Und, und, und ... Diese obigen Sätze sind Fischfutter und deren Funktion ist Absolution, Ablenkung, Entschuldigung, Ausrede und oberflächliches Gebrabbel und, letztendlich, Verdummungsgesalber. Die Realitäten und Wahrheiten des eigenen Ichs sind doch jeweils Kontext gebunden, protzenhaft und wahrnehmungsabhängig in Zeit und Raum verstrickt. So einfach is das alles net.


Ergänzung: Jetzt mal ernsthaft: Da sag ich dem alternden Mann oder der jungen Frau nach dreihundert vergeblichen Bewerbungen, dem dritten Hausbesuch von der ARGE und der letzten Abmahnung wegen Rauchen in der eigenen Wohnung: "Sei jetzt mal ganz du selbst! Handle mal ganz aus deinem Bauch raus! Bleib mal ganz bei dir!" Und zack, brennt und explodiert es auf einmal und der und die und der da hinten auch bekommen eins in die Fresse... Ja gucke mal guck! Das waren dann wohl die falschen Adressaten für diese Sprüche. Ham ja auch net viel oder gar nix für bezahlt. Kann ich ja gar net davon leben und meinen ZumirselbstfindenAbenteurUrlaubinderKaribik von finanzieren ... tssst ... So en Scheiß. ... Was sich da so auf dem Markt der Lebensberater, Coaches und Therapeuten tummelt macht mir Bauchgrimmen und Herzklopfen vor Zorn.

14.7.13


„Sag mal was zu Bushido!“ ... „Bushidō ist der Kodex jener moralischen Grundsätze, welche die Samurai beachten sollen.“ ... „Ne, du Dussel, der Sänger und sein neustes Lied.“ ...“Ach, du meinst diesen kleinen Rapper, der es immer wieder schafft, sich mit provozierenden Texten ins Gespräch zu bringen? Ach weißt du, dazu fällt mir nur ein: Wie schön, dass es wieder ein gemeinsames Feindbild gibt. Das empörte Volk schreit „Zensieren, verbieten, ausweisen, Rübe ab!“ und in der Welt verrecken elendig die Leuts. Diese Empörung geht mir genauso wie ein solches Lied am Hintern vorbei. Alles nur Schein und Trug und Übersprungshandlung. Eine Demokratie müsste sowas wie diesen Text aushalten und einfach beiläufig belächeln können. Unsere Demokratie kränkelt aber, und deshalb ist es so schön erleichternd sich über einen Text aufzuregen und wenn die Leute real totgeschlagen werden, weil sie nicht die rechte Gesinnung oder das gewünschte Äußere haben, mal schnell die nächste Chipstüte aufzumachen oder nen Edelpuff aufzusuchen. Die Verhältnismäßigkeiten in den Reaktionen stimmen einfach nicht und geben Hinweise auf das darunter liegend Eigentliche: Verdrängung, Ablenkung, Entlastung. Das macht mich traurig und zornig.“

1.7.13

So ist es.

Leute, ich schwöre euch, ich hatte noch niemals einen derartigen Scheißjob von den Rahmenbedingungen her wie als Erzieherin in einer Krabbelstube: Bezahlung miserabel; permanente Überstunden, die nicht ins nächste Jahr mitgenommen werden dürfen und auch nicht ausbezahlt werden; kein Jobticket; kein Urlaubsgeld; vorgegebene Urlaubszeiten und Urlaubssperren in den Wintermonaten; miserabler Personalschlüssel der keine Flexibilität erlaubt, sondern immer nur Überstunden erfordert; Vor- und Nachbereitungsstunden gehen für normale Arbeit mit den Kindern drauf; du weißt, trotz Dienstplan eigentlich nie sicher, wann du morgen oder die Woche zu welchen Zeiten arbeitest. -> Was bin ich froh, dass ich net Erzieherin gelernt habe.  In der freien Wirtschaft wäre so ein Job, mit dieser hohen Flexibilität und den verlangten fachlichen Kompetenzen hoch dotiert. Es ist zum Kotzen. Punkt.

22.6.13


Manchmal bin ich traurig, dass ich nicht mehr gefragt werde, ob ich mitgehen möchte. Nicht weil ich gerne mitginge, sondern weil mich die Möglichkeit des SelbstEntscheidenKönnens freuen würde.

17.6.13


Was mir zu diesem Wort spontan einfällt -> "Zivilcourage": Eier in der Hose, Mut, Mitgefühl, Position beziehen, Widerstand, Solidarität, Über den eigenen Tellerrand schauen und gehen, Herz in der Hand, Gesunder Egoismus, Gerechtigkeitsgefühl, Es gibt nur einen Grund etwas zu verändern: Du hältst es einfach nicht mehr aus, Eigenverantwortung, Liebe, Sich einsetzen, Verweigerung, Selbst Denken, Aufklären, Das Leben in die eigenen Hände nehmen, Im Regen tanzen, Sich wehren, Zu den eigenen Überzeugungen stehen, Standhalten, Gehorsam verweigern, Nein Sagen, Ja Sagen, Aufstehen wo andere sitzen bleiben, Reden, schreiben wo andere schweigen, Nicht weg sehen, Dableiben wo andere weglaufen, Hand reichen, Eigene Entscheidungen treffen, Visionen, Konsequenzen selbstbewusst in Kauf nehmen, Freude und Lachen, Sich seiner selbst bewusst sein, Sich nicht entmutigen lassen ...und ... und ?? ... Oh, der Mut ... ja, dazu gehört wohl vor allem  Mut.

16.6.13


Heute Nacht habe ich mich an meinen ersten Besuch in der Türkei Anfang der siebziger Jahre erinnert. Wie jung war ich und wie naiv. In Van (wie kommt man nur auf so ne Idee, da mit nem VW Bus hinzureisen? Jung, unbekümmert, neugierig) hatten wir einen freundlichen älteren Herren, dem ein kleines Ladengeschäft gehörte, in dem wir einkaufen wollten, kennen gelernt und gingen dort öfters hin um plaudernd einen Tee zu trinken. Eines Abends waren viele aufgeregte Leute und große Autos vor dem Geschäft und als ich mich nach vorne durchgekämpft hatte, sah ich, wie martialisch aussehende Typen meinen Bekannten mit Gewalt zu einem Transporter schleppten. Er blutete am Kopf und konnte kaum laufen. Ich war so empört, so entsetzt, dass ich auf sie zu rannte und wissen wollte, was denn los sei und verlangte, dass sie gefälligst stehen bleiben und mit mir reden sollten. Ich bekam nen Schlag ins Gesicht, und, passt auf, ich schlug reflexartig zurück und schrie dabei wohl, dass sie mit mir so nicht umgehen könnten, denn ich sei Deutsche und  solche Auftritte seien ja wohl der Hammer an Unrecht. *andenkoppklatschend. Boah, war ich kindisch damals. Nachdem ich noch ein paar Schläge abbekommen hatte und mich immer weiter in meine Empörung hinein steigerte, zogen mich mehrere Frauen einfach weg und eine hielt mir schlicht den Mund zu. Ich denke, ich hatte Glück damals. Unseren Bekannten haben wir nicht wieder gesehen. Meine kindliche Empörung ist seitdem jedoch nie verebbt, Strategie und Taktik im Umgang mit solchen Situationen haben sich allerdings danach sehr schnell verfeinert. Das war ganz tief in meinem Gedächtnis vergraben, die Geschehnisse in der Türkei von letzter Nacht haben es wohl hoch gespült und jetzt treiben die Bilder mich um und vermischen sich mit den Bildern aus Istanbul. Dabei wird mir wieder einmal klar: Es ist mir egal, wer da gerade an der Macht ist, welcher „Seite“ da jemand angehört. Wer da meint die Wahrheit gerade für sich gepachtet zu haben. So geht Mensch mit Menschen nicht um. Es ist Unrecht, schlicht und einfach nur Unrecht. Damals wie heute. Hier wie dort und dort und dort.
"Es gibt ein Schweigen, das lügt."
Es gibt keine akzeptablen Gründen mehr da nicht eindeutige Position zu beziehen. Für niemanden. Ich verlange von meinen politischen "Vertretern", dass sie endlich klar, öffentlich und eindeutig Position beziehen. Welche auch immer das nun sei.

15.6.13

Das treibt mich jetzt aber schon die ganze Nacht um: 
Was mich ausgesprochen beunruhigt: Mir wurde in den letzten Tagen mehrmals von unterschiedlichen Leuten in unterschiedlichen Kontexten gesagt, dass das was ich sage zu kompliziert und/oder zu komplex sei.  Jetzt empfinde ich das aber gar nicht so, sondern habe eher das Gefühl, ich transportiere ja schon runter und vereinfache bis zum Anschlag. Aber, wenn die Dinge nun mal komplexer sind, dann kann ich sie so, wie sie von anderen dargestellt und formuliert werden manchmal einfach nicht stehen lassen. Weil es für mich dann nicht auszuhalten wäre. Und weil oft aus solchen oberflächlichen/einseitigen/eindimensionalen Sichtweisen in meiner Welt ganz schreckliche Schlüsse gezogen werden könnten, deren Umsetzung ich dann wiederum ablehnen müsste. … … … Auf der anderen Seite bin ich ja schon  für das, was ich sage verantwortlich. Ich weiß jetzt aber verflixt nochmal nicht, wie ich Dinge noch einfacher formulieren soll, ohne dass der Inhalt verloren ginge. Mist verdammter. Ich könnt heulen darob.  Völlig traurig und hilflos. Ich will doch, dass mein Gegenüber mich versteht. *snief

5.6.13


Schönheitswahn und Überdruss
(Puzzleteile)
Die eine kotzt sich die Seele aus dem Leib und die andere stopft sich mit Süßbatsch und Fetttriefigem voll. Verhungern tun sie beide.
Körper und Selbstwahrnehmung sind völlig verstört. Gib beiden ein Seil und lass sie ihren Körperumfang damit als Kreis auf den Boden legen. Der eine ist viel zu groß und der andere lächerlich klein. Nicht mal der Blick in den Spiegel hat die Macht dieses Selbstbild zu korrigieren. Was für ein innerer Film läuft da denn ab?
Der eigene Körper, entfremdet als Projektionsfläche für Modeschöpfer, Werbefachleute, Diätpillenhersteller, Kosmetikfirmen und Showstars zur Verkündung von Schönheitsidealen. Eigene Bilder werden damit so überlagert, dass die fremden Schablonen als eben solche fast gar nicht mehr erkannt werden. Doch unser Körper ist kein Satellit, der unabhängig und abgenabelt um uns kreist. Er wehrt sich, er macht sich bemerkbar, er will zur Kenntnis genommen werden. Und dann schmerzen die Schablonen, drücken und zwicken uns. Wir fangen an unseren Körper zu bekämpfen. Schämen uns für ihn und vielleicht hassen wir ihn sogar. „Du bist nicht perfekt!“ kreischen wir und malträtieren ihn mit Essensentzug oder bestrafen ihn mit Mästung. Alle Gedanken kreisen, kreisen, kreiseln nur noch um ein Ziel: Ich will so aussehen, wie die da auf dem Cover, der da in der Castingshow, die da auf dem Laufsteg. Denn dann, nur dann werde ich geliebt, hofiert, geachtet, wahrgenommen werden. Dann werde ich endlich glücklich und zufrieden sein.
Boah, Leute, das ist der geilste Werbegig überhaupt und macht ne Menge Menschen richtig reich. Dich nicht. Du zahlst. Mit deiner verlorenen Selbstachtung, mit deinem eingestampften Selbstwertgefühl, mit deiner Gesundheit, mit deinem eingefrorenen Lächeln, mit deiner Unabhängigkeit, mit deiner Zukunft... und natürlich mit ner Menge Geld.
Erinnert dich das an irgendwas? Sklaverei? Ne, so übertrieben ist es nicht. Eher so, als würdest du dem Sisyphos sagen: „Lass mich mal Mann, ich bekomm das schon hin und dann gehen wir nachher einen trinken.“ Völlig an den Vorgegebenheiten vorbei. Also hör jetzt endlich auf damit! Lass den Stein einfach liegen, dreh dich um und vergiss ihn. Ist nicht dein Ding. Alles nur ein Kunstprodukt, in Szene gesetzt auf Grundlage eines im Gehirn erzeugten idealen Schönheitsbildes. Hat nix, aber auch gar nix mit Realität zu tun: Stundenlange Maske, super Fotoequipment und absolut Hightech Bildbearbeitungsprogramme. Nicht mehr und nicht weniger. Die Endprodukte würdest ohne all das Drumherum nicht erkennen, auch wenn sie dir am Tisch gegenüber säßen. Lass es einfach sein, dich im Leben an deren hyperrealen Vorgaben zu orientieren.
Und zu all diesen Gewinnlern, Schönheitsschranzen, Dreamsellers, Puppenverkäufern, Raubrittern und Wundertütenherstellern sagst:
„Das ist mein Körper! Er gehört einzig und alleine mir. Allein das macht ihn schon schön und einzigartig. Die Verantwortung für ihn trage nur ich und die lasse ich mir auch nicht nehmen. Guten Tag, auf Wiedersehen! ... Ach, und Frau Klum, ihr Handtäschchen, da wir uns ja nicht noch mal treffen werden, nehmen Sie es doch bitte gleich mit! Dankeschön!“

(Anmerkung: Es geht dabei nicht um Menschen mit (psycho) somatisch bedingten Krankheitsbilder, sondern um Otto und Ottilie Durchschnittsnormalbürger)

4.6.13


„Liebe geht durch den Magen!“ und frisst die verhungernde Seele auf.

Lina ist acht Jahre alt.
Sie lebt mit ihrer Mutter in einer kleinen Zwei-Zimmerwohnung.
Ihre Mutter arbeitet in Call Center.
Von morgens um sechs bis abends um fünf.
Lina geht in die Schule.
Lina ist dick.
Sagen die anderen Kinder.
Lina ist wohlgenährt.
Sagt die Mutter.
Dick Madame, Dampfwalze, Fettkloß.
Rufen die Kinder.
Mein Pummelchen, mein Sahnetörtchen,  mein Zuckerstückchen.
Schmeichelt die Mutter.
Lina fühlt sich manchmal sehr alleine.

Aus all meiner Erfahrung als fetter Mensch kann ich für mich nur sagen: Ich habe dieses Randgruppen und Diskriminierungsgeschreie satt. Fast die Hälfte unserer Bevölkerung ist übergewichtig. Da ist nix mehr mit Randgrupperei. Ich habe es ebenso satt, dass Menschen sich hinter dem Argument der Diskriminierung verstecken, anstatt zu dem was sie sind zu stehen und endlich eigenverantwortlich mit sich umzugehen.
Es macht mich zornig, wenn ich sehe, wie fette Menschen ihr! Fett ohne Sinn und Verstand an ihre Kinder weitergeben und sich nicht entblöden, dies auch noch mit selbstbetrügerischen Argumenten von "fett ist schön und Fette leben länger" zu rechtfertigen.
Das hat mit Fürsorge und Liebe nix zu tun.
Ich nehme mir das Recht raus, in all dem Gesülze laut und deutlich zu sagen: Ich! war nicht glücklich mit 150 Kilo Gewicht. Ich fand es nicht spaßig, den Bus nicht erreichen zu können, weil ich keine Luft bekam und mir die Kinder davon rannten. Ich fand es nicht toll, ein Teil meines Geldes für Medikamente ausgeben zu müssen, damit ich überhaupt noch am Leben bin ... ... und ich fand es unendlich traurig, dass mir meine Sinnlichkeit, meine Wut, meine Lebendigkeit unter all meinem Fett verloren gingen.  
Damit keine Missverständnisse entstehen: In Bezug auf meine Liebe, in Bezug darauf, wenn ich achte und respektiere, in Bezug auf meine Zärtlichkeiten und meiner Zuneigung sind mir Kilos und Umfang und solche Dinge ziemlich scheißegal.
Nicht egal ist mir jedoch, wenn ich meinen verquerten Umgang mit meinem Hunger unverantwortlich an die Kinder weiter gebe.
Jedes Kind hat ein Recht auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Hier wie dort und überhaupt.